Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 63 (1919)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Bezeichnung "jüdische Nation"
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 207 (sequence 8)
- Language
- German
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207 Die Bezeichnung »jüdische Nation«. lichkeiten Rechnung trug1). Man hat David Friedländers Stellungnähme in dieser Frage bemängelt und in ihr ein typisches Merkmal der damaligen Berliner Stimmung erblickt2) aber anderwärts dachte man damals nicht anders. Als die elsässischen Juden wie die übrige bodenständige Bevölkerung Frankreichs aüfgefordert wurden, der Nationalversammlung von 1789 ihre Beschwerden und Wünsche vorzulegen, fehlte ebenfalls der Satz nicht, daß alle sie beschimpfenden Benennungen verboten werden sollten — was auch Gregoire befürwortete3). Es ist unbestreitbar, daß mindestens ein halbes Jahrhundert lang die Juden selbst» den sehr verächtlich gewordenen Namen Jude« verschmähten, daß erst das Geschlecht um Zunz und Rießer ihn wieder zu Ehren brachte. So war denn eine neue Bezeichnung sehr willkommen, die den Juden als Gesamtheit ein gewisses Ansehen verleihen und die Analogie zu einer hochgeachteten Bevölkerungsgruppe schaffen konnte. Die Berliner Juden liebten es, sich mit der dortigen französischen Kolonie zu vergleichen4), und bezeichneten sich selbst als Kolonie. Moses Mendelssohn (faßt das in der »Vorrede zur Übersetzung der Schrift des R. Menasse ben Israel Rettung der Juden« behandelte Thema in die Worte zusammen,?in wie weit einer׳ aufgenommenen Kolonie eigene Gesetz- Verwesung in kirchlichen und bürgerlichen Sachen überhaupt nachzulassen sei«5). 'David Friedländer hat die »Akten-Stücke, die Reform der Jüdischen Kolonieen in den Preußischen Staaten betreffend«, gesammelt und sich wiederholt auf die französische Kolonie berufen, in der Einleitung aber mehrmals von der »jüdischen Nation« gesprochen.6) Genau so wie Friedländer 9 das. S. 395. 2) Graetz, Geschichte, XI.2 S. 146. Vgl. Lewin in MS. LV1I, 1913, S. 2261 u. S. 96. 3) Liber in REJ. 65, 115f. Tatsächlich führte Napoleon I. die Be- Zeichnung »Israelites« ein; die Regierungen S. Deutschlands und Österreichs folgten seinem Beispiel. Vgl. I. Jacobsohn bei Freund II. 432. -4) Friedländer, Akten-Stücke S. 94, 110; 177. Vgl. Lewin, a, a. O. S. 881. 5) Jerusalem II, Anfg. 6) ob. S. 201. Auch die Eingabe der 34 Königsberger Hausväter,