Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 63 (1919)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zur Frühgeschichte der Juden in Deutschland
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 184 (sequence 20)
- Language
- German
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-184 Zur Frühgeschichte der Juden in Deutschland, Wenn hier auch Italien genannt ist, so trifft es insofern! zu, als der aus dem Lehrhause eines Schüler Gerschoms, des Isaak b. Je hu da zu Mainz, hervorgegangene Talmudkommentar eifriges Studium in jenem Lande gefunden hat und auch im talmudischen Wörterbuch des Nathan b. Jechiel vielfach benutzt wurde1). So hat, indem die zuerst von Italien nach Deutschland gekommene. Belehrung wieder diesem Lande zugute kam, es sich erwiesen, daß es auch in der Geistesgeschichte eine Vergeltung für Wohllaten gibt. Die deutsche Judenhelt, die nun durch Gerschom ihre literarische Selbständigkeit erhielt, hat auch insofern für weite Kreise wohltuend gewirkt, als infolge der nachhaltigen Belehrung, die Raschi in den rheinischen Schulen zu Mainz und Worms empfangen hat, der Grund zu seinem für das Talmudstudium unentbehrlichen Kommentar gelegt wurde, und ferner Gerschoms eigene tiefgrundige Auslegungsmethode durchaus fördernd für die das Halachastudium zur Höhe der Klassizität führende Tätigkeit der Tossafisten gewesen ist. Aber hiermit ist die Bedeutung des deutschen Judentums nach den Grundlagen, die es damals erhielt, bei weitem noch nicht erschöpft. Die durch das süditalienische Geschlecht des Schefatja aus Oria unter Vermittlung der mit ihnen verwandten Kalönymiden2} nach Deutschland verpflanzte innige Vertiefung in das Gebet mit seiner Erhebung zu Gott, hat, unbeschadet ihres mystischen Einschlages, dem deutschen Judentum jene wahrhafte, aus Herzenseinfalt erwachsene tiefe Frömmigkeit verliehen, die die fudenheit der anderen Länder mit Ehrfurcht von den חסידי »ש כנד sprechen ließ. Sie gab ihm zunächst in Elieser b. Isaak, genannt den »Großen«, dem Verfasser des ארתות חיים, der aus jener Familie stammle3), einen erhabenen Sittenlelirer. Sie ließ ihm ferner in dem gleichfalls zu diesem Familienkreise 1) Siehe hierzu Epstein in Steinschneider-Festschrift, S. 122 fg. 2) Vgl. hierüber oben, 'S. 169. 3) Vgl. das oben erwähnte Responsum .Salomo Luria's.