Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 63 (1919)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zur Frühgeschichte der Juden in Deutschland
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 182 (sequence 18)
- Language
- German
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182 Zur Frühgeschichte der Juden in Deutschland, gutem Recht die vorgeschriebene Trauer um den Sohn halten 1)^ Auch Gerschoms Zeit ist jedenfalls eine unruhevolle gewesen, in der es an blutigen Verfolgungen nicht fehlte; einer solchen fiel auch ein sehr angesehener Gesetzeslehrer R’Jehuda2) zum Opfer, der gewiß ein besonderes Martyrium betätigte. Über die Gründe dieser oder manch anderer Metzelei sind wir durch jüdische Quellen nicht unterrichtet; christliche Berichte wollen wissen, daß um das Jahr 1010 von Orleans aus eine größere Judenverfolgung einsetzte, da man gegen die Juden die Beschuldigung erhob, daß sie durch ihre palästinensischen Glaubensgenossen den Khälifen Hakim von einer beabsichtigten Expedition der Christen gegen die heiligen Stätten benachrichtigt hätten. Zu gleicher Zeit müssen damals in Frankreich/ wie in Deutschland geistliche Feinde der Juden am Werk gewesen sein, diese möglichst zu vernichten3).ד— Gerschom selbst ist wohl auch durch eine Ausweisung der Juden aus־ Mainz um das Jahr 1012 mehr oder weniger betroffen worden 4ü All den traurigen Empfindungen über das leidvolle Los seiner Volksgenossen gab Gerschom Ausdruck in verschiedenen S’lichoth,. 1) Über das Tatsächliche hierzu vgl. Mordechai zu מועד קטן No. 886: מפני שלא זכה לשוב בתשובה u. jetzt bes. Berliner in d. Bei- . Jage zum Israelit Jhrg. 42 (190t), No. 64, S. 114—116. Nach Zunz Lg. S. 239 hat der Übertritt i. J. 1007 stattgefunden. 2) Er wird in einem Bericht in או״ז zu ה/ ראש השנה No. 27 5 als יהודה ראש הנהרגים H bezeichnet und zusammen mit Gerschom und dem älteren Simon b. Isaak als Gelehrter der »heil. Jeschiba« genannt. 3) Siehe hierüber Wilken, Geschichte der Kreuzzüge I, S. 31 und die Anmerkungen daselbst, auch Lukas, Mschr. a. a. O. Über Hakim’s Verhältnis zu den Juden haben wir einander widersprechende Urteile. $Tach den bei Graetz, Gesch. V4, S. 387—38S angeführten Quellen ist er sehr grausam gegen sie gewesen, während jüdische Berichte ihn als zwar strengen,־ aber durchaus gerechten und wohlwollenden Herrscher schildern; vgl. hierzu das Genizastück bei Neubauer JQR IX,. S. 25/ die Bemerkungen Neubauers daselbst, S. 26 u. Lane-Poole, A history of Egypt, S. 125. . '. 'j.. 4) Während Graetz a. a. O., S. 384 fg. u. Note 22, S.543fg. dieses« Ereignis mit einer größerem Verfolgung in Verbindung bringt, will Tykocinski in Festschrift f. Martin Philippson, S. 1—5, das Ganze nur auf eine partielle Answeisung aus ,Mainz beschränken.