Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 63 (1919)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zur Frühgeschichte der Juden in Deutschland
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 171 (sequence 7)
- Language
- German
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besonders in literarischer und kultureller Hinsicht. 171 besondere Joel Müller1) und Epstein2) ausführlich dargestellt haben. Darnach wissen wir, daß er eigenhändig Mischnaexemplare abgeschrieben und, behufs leichteren Verständnisses, mit Punktation versehen hat3). Seine Bedeutung als Halachist ersehen wir ausder nicht unbeträchtlichen Zahl von Responsen, die wir von ihmbesitzen, und die sich in verschiedenen Sammlungen erhalten haben4). Sie betreffen, mit wenigen Ausnahmen, die sich auf die rituelle Praxis beziehen, die Regelung der sozialen und Wirtschaft־ liehen Angelegenheiten seiner Glaubensgenossen. Eine besondere Tätigkeit entfaltete Meschullam, der auch den mystischen Anschauungen seines Geschlechtes ergeben war5), getreu der Tradition seiner Familie, auf dem Gebiete der Liturgik6). Die nicht ganz kontrollierbare Mitteilung eines Machsorkommentars7) will ihn zum Schüler des Pijjutdichters Salomo Hababli machen8), den man bekanntlich nach Rom setzt9); indes dürfte dieses wohl aus chronologischen Gründen nicht zu rechtfertigen sein10). Meschullams synagogale Poesien, die einen , großen Teil unseres Festzyklus bereicherten und uns auch mit einer Abo.da beschenkten, zeichnen sich durch eine tiefe Empfindung und lyrische Dar- ’1) Vgl. dessen: Die Responsen des R. Meschullam, Söhn des- R. Kalonymos, Bericht der Lehranstalt etc. Berl. 1893. - 2) REJ. XXVII, 83 fg. 3) Vgl. Epstein, a. a. O., S. 87—88. 4) Vgl.. Müllers Abhdlg. S. 15—16, Anm. 81. 5) Vgl. a. a. O., S. 7. Ich möchte ,bei dieser Gelegenheit darauf hinweisen, daß der bei Meschullam zuerst vorkommende, dann aber auch bei lothringischen Gelehrten angewendete Ausdruck מערופיא• für gewisse Geschäfte nicht aus dem Franzos, zu erklären ist, wie Müller תחצ״ול/ Eiltg. S. XXXVII annimmt,' sondern aus dem Arab,, wie schon Rappaport in der Vorrede zu תג״ק ed. Cassel, S. 7b meint, aber in dem Sinn von Legitimation. Das Wort kann aus Süditalien sehr wohl durch die Kalonymiden nach Lothringen gekommen sein. 6) Siehe Epstein im Hachoker, a. a. O. 7) Hierüber siehe Zunz Lg., S. 108 fg., Müller, a. a. O. S. 5b. 8) Vgl. Epstein, a. a, O., S. 89. tJ) Vgl. Zunz, a. a. O., S. 100 fg. 10) Nach Zunz, a. a. O., S. 101, der ihn um g80 ansetzt.