Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 63 (1919)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zur Frühgeschichte der Juden in Deutschland
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 168 (sequence 4)
- Language
- German
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168 Zur Frühgeschichte der Juden in Deutschland, ■ . ■. \ - Namen לותיר bezeichnete Gebiet von Köln an bis zum Mittelrhein, umfaßte auch Teile des Moselquellgebietes bis hinein nach Burgund. Demnach stellt sich das für uns in Betracht kommende Deutschland zu jener Zeit noch unter der Bezeichnung von לותיר dar, während der Name אשכנז wohl erst einer späteren Zeit angehört1). Zu dem aus Frankreich stammenden Teil der jüdischen Bevölkerung gesellte sich späterhin auch ein solcher aus Italien, wohin ja die Politik der deutschen Kaiser ständig hinübergriff. Aus diesem Lande soll nach dem legendarischen »Bericht eines Traditionariers« schon unter Karl dem Großen der gelehrte R. Mose b. Kalonymos aus Lucca eingewandert sein2). Richtig wird nur soviel sein, daß eine altberühmte Familie Italiens, die, ursprünglich in Süditalien beheimatet, sich dann z. T. in Rom und Lucca niederließ, schon mit den karolingischen Herrschern Verbindungen gehabt und wohl bereits von Ludwig dem Frommen ein Privilegium erhalten haben wird3). Es ist dies vielleicht die aus Oria in Süditalien stammende Familie, äls deren erste Häupter uns die Pijjutdichter Amittai und Schefatja entgegentreten, und bei der, seit dem Auftreten des Babyloniers Abu Ahron, mystische Tra- ־ l) So weit ich weiß, kommt diese Bezeichnung wohl zuerst in einem Responsum Raschis vor, das uns in Joel Müller’s Sammlung תחצ׳/־ל No. 21 vorliegt; vgl. dort S. 11 Ende. Für das. westliche Deutschland galt wohl eher die Bezeichnung אלט גיא, und nicht, wie Simonsen, Festschr. Cohen, S. 301 meint, אשכנז. Keineswegs aber sind bei Natroj Gaon in Müllers תשובות גאוני מזרה ומערב, No. 149, s. 37 a unter den dort genannten אשכנזיים Händler aus Deutschland zu verstehen, wie Brann, Germania Judaica 1,1 S. 7 u. S. 8 Anm. 13 schreibt, da der ganze Zusammenhang dort für nichtjüdische, jedenfalls aber für Karawanenkaufleute spricht, weswegen auch Müller dort, Anm. 2 ערביים lesen will; ebensowenig ist in Siddur ,Amram S. 5b bei den קהלות שבארץ אשכנז an deutsche Gemeinden zu denken [bei Frumkin ם׳ ר׳ עמרם השלם ist die la. אשכנז zweifelhaft]. 2) Der Kürze halber verweise ich ■auf ■Gräetz. V4, S. 442—443 u. Aronius in Zeitschr. f. Gesch. d. Jud. in Dtschld. II, 82 fgg. 3) Über den Zusammenhang der späteren an Speyer m Worms von Heinrich IV. erteilten Judenprivilegien mit denen Ludwigs d. Frommen vgl. Breßiau in genannter Zeitschr. S. 152 fgg.