Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 63 (1919)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Poseidonios über die Entwicklung der jüdischen Religion
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 120 (sequence 8)
- Language
- German
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120 Poseidonios über die Entwicklung der jüdischen Religion. Danach rieten dem Antiochos (Sidetes) die meisten seiner Freunde, die Juden mit Stumpf und Stiel zu vertilgen, da sie keine uo1vo>via übten und seit Alters wegen ihrer Gottlosigkeit verhaßt seien. Ihre Vorfahren seien des Aussatzes wegen aus Ägypten vertrieben worden, auch Antiochos Epiphanes habe sie gehaßt; er habe in ihrem Tempel das Standbild eines auf einem Esel1) sitzenden Mannes, wohl des Moses, des Begründers dieser ruchlosen und menschenfeindlichen Gesetze, gefunden und die Juden gezwungen, Fleisch eines im Tempel von ihm geopferten Schweines zu essen. So möge auch der König das Volk vernichten oder doch von seinen Gesetzen zwangsweise abbringen. Der König aber ßeya^o'tpvxog <bv ual tö ^dog fj/usQog sprach die Juden von diesen Vorwürfen frei und * begnügte sich mit ihrer politischen Unterwerfung. Offenbar steht P. nicht, wie z. B. Stähelin meinte, auf Seiten der Freunde, sondern, wie Wendland, Die hellenistischrömische Kultur 109,3 richtig geurteilt hat, auf der des Kön igs, dem er die von ihm besonders hochgeschätzte Tugend der /usyaXoyjv%ia nachrühmt2); wir haben also auch nicht den mindesten Anlaß zu der Annahme, daß die Angaben über die Herkunft der Juden, die er den Anklägern in den Mund legt, mehr darstelien sollen als tendenziösen Schwindel. Für die Darstellung der Juden hat P. natürlich Hekataios benutzt, von dem uns bei Diod. XL 3 ein großes Fragment erhalten ג) Zur Erklärung der sonderbaren Vorstellung vom Eselskult der Juden weist Simonsen in »Judaica«, Festschrift für Cohen, 1912, S. 298 darauf hin, daß Jo ägyptisch »Esel« bedeutet. Der Zusammenhang ist in der Tat wahrscheinlich, wiewohl der Unsinn nicht erst, wie Simonsen annimmt, von Apion erfunden ist; aber auch unser erster Zeuge, Mnaseas bei Rein ach, Textes relatifs aux Juifs 50, kann aus ägyptischer Quelle schöpfen. 2) P. bei Sen. Ep. 87,35: Quae neque magnitudinem animo dant nec fiduciam nec securitatem, non sunt bona. — Aui die meisten Diadochen ist P. nicht gut zu sprechen. Der Tadel des Epiphanes, der aus Habgier den Tempel in Jerusalem plünderte, ist jos. Ap. II 83 für Polybios, Strabon und Nikolaos von Damaskus bezeugt, aber auch für P. vorauszusetzen.