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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1919-01-01 · Heft 2 · p. Seite 116

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
63 (1919)
Issue
Heft 2
Article
Poseidonios über die Entwicklung der jüdischen Religion
Date
1919-01-01
Page
Seite 116 (sequence 4)
Language
German
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11G Poseidonios über die Entwicklung der jüdischen Religion. seine ersten Nachfolger regierten in seinem Sinn. Nach einigen Generationen ging aber die Priesterwürde erst an abergläubische Männer, dann an tyrannisch gesinnte über. Erstere führten die Speisegesetze und die Beschneidung der Knaben und Mäjdcheji ein, letztere die Raubzüge (= 75g oben). Immerhin blieb der Hauptstadt eine eigenartige Würde, da sie nicht als Zwingburg' gehaßt, sondern als heilige Stätte geehrt wurde. — Natürlich schließen die durch Sperrdruck hervorgehobenen Abweichungen von der biblischen Darstellung sowie die Vorstellung eines Priesterkönigtums alter Zeit unmittelbare Benutzung einer jüdischen Quelle (Schürer) aus. Dagegen paßt die Vorstellung von einer ursprünglichen weisen und gerechten Herrschaft, der sich jeder willig unterordnet, trefflich zu der Geschichtsbetrachtung des P.,. nach welcher ursprünglich allenthalben »bene imperanti bene pareretur nihilque rex maius minari male parentibus posset quam abire se regno« (Sen. Ep. 90,6). Und das wichtigste ist, daß• nicht erst wir die Einordnung unserer Darstellung in das Gesamtbild des Entwicklungsganges vorzunehmen brauchen, sondern daßStrabon schon die typische Bedeutung der israelitischen Entwicklungslinie in seiner Vorlage betont fand. Denn ebenso wie den Juden, erzählt er § 38, sei es auch anderen Hellenen- und Barbarenvölkern ergangen: worin, wird allerdings nicht sofort klar. Jeder Staat muß ein Gesetz haben; dieses kann entweder göttlichen oder menschlichen Ursprungs sein. Die Alten neigten mehr zur Verehrung göttlicher Gesetzedaher wandten sie sich häufig nach Dodona und Delphi um Rat; Minos und Lykurg führten ihre Gesetzgebung auf die Offenbarung des Zeus bezw. Apollon zurück. Mag es damit in Wahrheit stehen wie es will — die Menschen glaubten daran. Daher ehrten sSie die Seher und machten sie auch wohl zu Königen; so den Teiresias, •Amphiaraos, Trophonios, Orpheus, Musaios, Zalmoxis und Dekaineos bei den Gelen, Achaikaros bei den Anwohnern des Bosporos, die■> Gymnosophisten bei• den Indern, die Magier und Totenbeschwörer bei den Persern; die »Chaldäern bei den Assyriern,, die »Etrusker« bei, den Römern. Solch ein Mann war

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