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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1919-01-01 · Heft 2 · p. Seite 111

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
63 (1919)
Issue
Heft 2
Article
Grenzfragen zwischen Philosophie und Geschichte
Date
1919-01-01
Page
Seite 111 (sequence 4)
Language
German
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Grenzfragen zwischen Philologie und Geschichte. 111 verborgen; man begnügte sich bei dem mystischen Dunkel der für die verheißene Gnadenzeit gemachten Zeitangabe mit ganz allgemeiner Interpretation, wie der von »Endzeit«, wie es so oft im Buche Daniel heißt. Erst da die geschichtliche Erkenntnis herzugekommen von der Entweihung des Heiligtums in Jerusalem während der Religionsverfolgung durch Antiochus Epiphanes, da man aus den Makkabäerbüchern die gedrückte, an Rettung verzweifelnde Stimmung jener Zeit herausgelesen und darauf das Buch Daniel anzusehen begonnen hatte, ward es auf einmal klar, daß, was gegenwärtig ziemlich allgemein angenommen wird nach den Argumenten, die Graetz, Gesch. II, Abt. b, c. 10 dafür beigebracht, uns im Buche Daniel eine Art Tendenzschrift vorliegt, eigens für die Zeit der syrischen Religionsverfolgung bestimmt, die gedrückten, verzweifelnden Gemüter neuzubeleben durch den Hinweis auf die früheren Zeiten mit ihren Drangsalen, z. B. bei Daniel und seinen Genossen am Hofe Nebukadnezars, und die allemal zuletzt doch erfolgte Erlösung. Nun war der Sinn der Apokalypse mit den geheimnisvollen Zahlen bei der Zeitangabe neu erkannt, da man einsehen gelernt, daß darin apokalyptisch, halb verhüllt, halb aufgedeckt der Untergang des frevelhaften Syrerreiches verkündet werde, und auch Stellen, wie Dan. 8,13. 9, 27 waren damit in überraschender Weise neu aufgehellt. Bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts hat man wenig oder gar nichts von makkabäischen Psalmen gewußt, bis teils der gesamte Inhalt gewisser Psalmen, teils einzelne Stellen, wie die beigefügte Bezeichnung שיר הדש auf eine Zeit erneuter Begeisterung, erneuten dichterischen Schaffens, als welche die Makkabäerzeit erkannt worden, auf diese als Zeit der Abfassung führten. Zum Beispiel war es geschichtliche Erkenntnis, daß bei Psalmenstellen wie Ps. 149, 6 auch ein historischer Hintergrund gefunden ward, als das Geschichtliche, den Kampf der Hasmonäer gegen die abtrünnigen Hellenisten unter Ruhmesgesang im Munde, nennend, und philologische Auslegung konnte es nur freudig begrüßen, daß sie fortan auf etwas Besonderes von Inhalt hinzuweisen hatte. Daß Koheleth nach der sprachlichen Seite, den vielen Be-

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