Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 63 (1919)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Grenzfragen zwischen Philosophie und Geschichte
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 110 (sequence 3)
- Language
- German
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110 Grenzfragen zwischen Philologie und Geschichte. sehr wohl der Keim semitischer Religionsform gelegt sein kann, ferner, was dasselbe von einem Uradel der Menschheit zu erzählen hat, zu welchem auch eine Art Urerkenntnis des Ewigen als wesentliches Stück von Semitismus gehört haben mag. Wie immer die Historie Stellung zur Geschichte Abraham’s in der Bibel nehmen mag, von dem verklärenden, versittlichenden Bilde, das die Auslegung, eben die Arbeit des Philologen, von ihm als an der Wiege monotheistischer Religion stehend, als Vater höherer, monotheistischer Gesittung entwirft, wird durch Bestreiten des geschichtiichen Charakters desselben nichts geändert, das Bild des großen Menschen bleibt unverrückt bestehen. Wenn in dem bekannten Bibel-Babel-Streite unter anderen kopfstürzenden Dingen auch das behauptet worden, daß der jüdische Sabbat in dem babylonischen sabbatu als einem ausgezeichneten, einer der babyonischen Gottheiten geweihten Tage wurzele, durfte wiederum die hier berufene Arbeit des Philologen als Auslegers des Gesetzes Mose’s nur auf den klaren Wortlaut des Gesetzes vom Sabbat im Exodus hinweisen, um darzutun, daß der biblische Sabbat nach Ursprung, Sinn und Begriff etwas ganz Anderes ist als der baby- Ionische sabbatu. Damit wäre ganz allgemein auch der Beweis erbracht worden, wie bedenklich auf dem Gebiete der Wissen- Schaft solch bloßes Identifizieren ist, womit nur Eigentümlichkeiten der besonderen Nationalität verwischt werden. Ist’s somit klar, daß es eine Grenze gibt für die Arbeit des Historikers, über die hinaus er, wenn er dieselbe fortsetzen will, auf Handreichung seitens des Philologen angewiesen ist, so darf doch nicht vergessen werden, wie auch umgekehrt die Arbeit des Philologen bei Auslegung von biblischen Schriften ungemeine Förderung von der Geschichte, insbesondere der jüdischen Geschichte erfährt, wie besonders da, wo ein historischer Hintergrund, sei es bei ganzen Büchern oder einzelnen Stellen in denselben, mit Hilfe der Geschichte.sich auftut, wodurch dieselben in ganz neues Licht gerückt werden, Alles prägnanter hervortritt. Lange blieb Sinn und Zweck der apokalyptischen Enthüllungen des Buches Daniel, eigenartig wie sie im bibl. Schrifttume sind