Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 63 (1919)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Grenzfragen zwischen Philosophie und Geschichte
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 109 (sequence 2)
- Language
- German
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Grenzfragen zwischen Philologie und Geschichte. 109, bibl. Bücher vorüberginge, sie tut das so wenig wie die klassische Philologie, die beispielsweise bei den Büchern des Livius feststellt, daß die ersten Könige Roms, von denen Livius erzählt, daß mit ihnen Roms Geschichte beginnt, Sage sind. Hier wird Philologie zur Historie, nur daß damit die philologische Arbeit noch lange nicht erschöpft ist. Den Philologen interessiert bei der Bibel uuter anderem ihre Erzählkunst, wie z. B., da es ein psychologisches Rätsel ist, daß jede Erwähnung von Trauer Isaak’s bei dem Tode der Mutter fehlt, während Abraham, der Gatte, läute Klage um sie erhebt, die Lösung des Rätsels kunstvoll damit gegeben wird, daß es am Schlüsse der Erzählung vom Eintritt Rebecka’s in das Haus Abraham’s heißt: »Und Isaak führte sie in das Zelt Sara's, seiner Mutter, in der Liebe zu ihr fand er Trost für den Heimgang der Mutter«; da ist mit einem Striche fein die Größe des Schmerzes um den Verlust der Mutter bei Isaak gezeichnet, und so der feinen Züge der Erzählkunst der Bibel mehr. Es kommen dazu die Fragen bald 'der niederen, diplomatischen, bald der höheren Kritik, wie bei jedem andern Literaturwerke die sämtlich ins Gebiet philologischer Auslegung fallen. Wenn weiter Historie nicht stehen bleibt bei dem, was die Bücher Mose’s von Anfängen des isr. Volkes erzählen, wenn sie geneigt ist, die Anfänge von Religion und Kultur desselben weiter zurückzuverlegen in eine frühere Zeit, als die, von der die Bibel erzählt, wenn sie Spuren davon an älteren Kulturstätten, wie am Nil, am Euphrat sucht, so ist solches Konstruieren von Vorgeschichte ihr Recht, nur daß sie die Indizien dazu, durch die ihre Aufstellungen erst Bestätigung finden, sich von philologischer Auslegung hat reichen zu lassen, von der sie gegebenenfalls auch Widerlegung annehmen muß. Wenn in dieser Richtung religionsgeschichtliche Forschung heute von einem vorkanaanitischen Semitistnus als Religions- und Kulturform spricht, wie dies vor Jahren Jampel-Schwedt in dankenswerter Weise in dieser Monatsschrift ausgeführt hat, so mag zwar nicht als vollgiltiger Beweis, aber doch als Indicium dienen, was das Buch der Genesis nach philologischer Auslegung von einem Ursitz der Völker, in welchem