Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 63 (1919)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Jüdische Geschichte und Religionsphilosophie
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 105 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdische Geschichte und Religionsphilosophie. 105 berufen ist, das Zeitalter der vollendeten Gotteserkenntnis heraufzuführen. Um aber diese leitenden religiösen Ideen mit der Kultur der Gegenwart in Beziehung zu setzen, ist es notwendig, die Struktur und die Zusammenhänge ihrer Motive, ihrer Formen und Ideen zu erforschen. Nach dieser;Richtung müssen wir es beklagen, daß die jüdische Wissenschaft bisher zu ausschließlich historisch gerichtet war, als daß sie die Lösung dieser kulturphilosophischen Aufgabe bereits in kontinuierlicher Forschungsarbeit unternommen hätte. Wohl wissen wir, weiche Dankesschuld die jüdische Wissenschaft den Forschern schuldet, die zur Bürde ihres Amtes und Berufes die Arbeit tief eindringender geschichtlicher Forschung gesellt haben; wissen wir es, daß es die heiße Liebe zum Judentum war, die ihnen diese Arbeit zur höchsten Pflicht machte, und darf diese Erhellung unserer Geschichte nie aufhören. Wir danken es aber auch Hermann Cohen, daß er die jüdische Wissenschaft auf ihre systematische Aufgabe nachdrücklich hingewiesen hat und in seiner eigenen Philosophie den großzügigen Plan einer jüdischen Kulturphilosophie entworfen hat. Wie viel ist aber in der. prinzipiellen" Grundlegung und in der Detailarbeit noch zu leisten! Noch findet der auf diesen schwierigen Pfaden arbeitende jüdische Denker recht wenige jüdische Wissenschaftler, die ihm in das Detail philosophischer Arbeit zu folgen gewillt sind, ohne welche doch nirgends wissenschaftliche Arbeit möglich ist. Denn die Methode der Begründung gibt erst dem wissenschaftlichen Resultat seine Gültigkeit. Ohne erkenntnistheoretische Schulung ist die philosophische Stellungnahme zu den Kulturfragen der Gegenwart nicht möglich, ist am wenigsten eine Auseinandersetzung der religiösen Lebensanschauung mit der Autonomie der weltlichen Kultur möglich. So wie die jüdischen Denker des Mittelalters ihren griechischarabischen Führern in alle Schwierigkeiten physikalischer, psychologischer, ontologischer Forschung folgten und die Probleme der jüdisch-religiösen Lösung zuführten, ist es nun notwendig, die Methode der Naturwissenschaft, Geschichtswissenschaft, Rechts-