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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1919-01-01 · Heft 2 · p. Seite 106

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
63 (1919)
Issue
Heft 2
Article
Jüdische Geschichte und Religionsphilosophie
Date
1919-01-01
Page
Seite 106 (sequence 9)
Language
German
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10f> Jüdische Geschichte und Religionsphilosophie. bildung zu untersuchen, um ihre Kompetenz und Tragweite zur Formung des Weltbildes zu prüfen, gilt es das sittliche Bewußt« sein zu analysieren und die Theorien des Sittlichen am Tatbestände des eigenen sittlichen Urteils zu kontrollieren, die Möglichkeit einer ethischen Güterlehre zu prüfen, die das Reich des Idealen umschließt, dem Ursprung und der Ausgestaltung des Gottesbewußtseins in den verschiedenen Formen der Gottes- Vorstellung nachzugehen. Die jüdische Wissenschaft hat noch nicht in dem Grade, wie es die allgemeine Wissenschaft und insbesondere die Religionswissenschaft der anderen Konfessionen überall tut, den Anschluß an die Philosophie wiedergefunden. Daß dies aber geschehe, ist notwendig, ־wenn die jüdische Wissen- Schaft die Geschichte der jüdischen Religion zu ihrem Teil in die Zukunft fortsetzen will. Wir sehen in der Geschichte der jüdischen Religion das Herz, der jüdischen Geschichte und haben deren Beziehungen zur Religionsphilosophie darzulegen gesucht. Es versteht sich von selbst, daß die Geschichte der jüdischen Religion auf tiefste von der allgemeinen jüdischen Geschichte beeinflußt ist, und daß das jüdische Geistesleben in seiner Eigenart nach Inhalt und Form: in hohem Grade durch seine gesellschaftlichen Grundlagen bedingt ist, wie allerdings andererseits diese gesellschaftliche und politische Eigenart der jüdischen Geschichte durch ihre Treue zur Religion der Väter verursacht ist. Auch in der jüdischen Geschichte bilden also Schicksal und Freiheit ein geheimnisvolles Band. Wenn wir in den Taten der Freiheit, dem geistigen und sittlichen Wirken der jüdischen Gemeinschaft, dem Ringen um Gott, dem Leben in seinem Dienst die innerste Seele der jüdischen Geschichte erblicken, so erhebt sich nun die schwere Frage nach dem Sinn der Schicksale, von denen die jüdische Geschichte so schwer und dunkel erfüllt ist. Auch hier wird die jüdische Religionsphilosophie die Antwort nicht anders als in Überein- Stimmung mit dem jüdischen Geschichtsbewußtsein selbst geben können. Mit unendlicher Dankbarkeit, Innigkeit und Treue gedenkt die jüdische Geschichte der Gnadenzeit, wo Israel unter

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