Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 63 (1919)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Jüdische Geschichte und Religionsphilosophie
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 104 (sequence 7)
- Language
- German
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104 Jüdische Geschichte und Religionsphilosophie. )religiöse Erhaltung des europäischen Judentums bedeuten. Dazu ist ihr Fundament allgemein politischer Natur, ihr Nationalbegriff der des 19. Jahrhunderts und ihre Sorge vor allem dem neu zu begründenden außereuropäischen jüdischen Nationalstaat zugewandt. Ebensowenig ist mit dem Kampf um die politische Emanzipation innerhalb der europäischen Staaten eine Stärkung des jüdischreligiösen Bewußtseins notwendig verbunden. Auf diese aber kommt es an, wenn nicht bloß Juden, sondern das Judentum lebendig die Zeiten überdauern und seine religiöse Bestimmung erfüllen soll. Um aber diese Aufgabe zu lösen, die Bedeutung des Judentums für die Lebensanschauung der Gegenwart zu entwickeln, darf die jüdische Religionsphilosophie nie den Zusammenhang mit der jüdischen Geschichte verlieren. Denn aus ihr gewinnt sie das Ethos und den Ideengehalt jüdischen Gepräges, bewahrt sie die Kontinuität der jüdischen Gedankenentwicklung. Andererseits kann es gar nicht anders sein, als daß die philosophische Heraushebung des jüdisch-religiösen Gedankengutes keine philologische Interpretation der Quellen bedeuten kann. Die Zusammenhänge des allgemeinen Kulturlebens, die Ideen und Institutionen der Gegenwart, zu denen unsere religiöse Zielsetzung Stellung nehmen muß, schließt eine solche Philologie aus, wie es andererseits der Takt des Wahrheitsempfindens erfordert, keine Willkür allegorischer Deutung zuzulassen. v Worauf es aber für das religiöse Weltbild ankommt, ist vor allem die Erkenntnis der jüdischen Gottesidee, des religiösen Persönlichkeitsgedankens, des sozialen Ideals, die jüdisch-religiöse Stellung zum Triebleben, zu Wissenschaft, Kunst, Erziehung, Wirtschaft, Staat, Menschheit, zu Form und Charakter des Kultus. In diesen grundlegenden Beziehungen durchdringt die jüdische Religion eine offene Klarheit der rationalen Sittlichkeit, der Gottes- und Menschenliebe, vereinigt sie die Allmacht Gottes mit der Freiheit und Würde des Menschen, die Schöpferkraft Gottes mit der Erkennbarkeit des All, die Innerlichkeit des Gefühls mit der Wahrhaftigkeit der Tat, sodaß die jüdische Religion mit Recht