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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1919-01-01 · Heft 2 · p. Seite 103

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
63 (1919)
Issue
Heft 2
Article
Jüdische Geschichte und Religionsphilosophie
Date
1919-01-01
Page
Seite 103 (sequence 6)
Language
German
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Jüdische Geschichte und Religionsphilosophie. 103 und praktischer Materialismus wächst aus dieser Rationalisierung und Verdinglichung des Lebens heraus. Dagegen suchen Erkenntnistheorie, Ethik, Rechtsphilosophie, Soziologie, Geschichte- Philosophie dem Idealismus der Welt- und Lebensbetrachtung sein Recht zu sichern, wie die Krisen und Zusammenbrüche des internationalen politischen Lebens und die erbitterten Klassenkämpfe innerhalb der Staaten eine neue Sehnsucht nach Frieden, Völker- und Menschengemeinschaft, den überirdischen Gütern der Seele, Liebe, Gerechtigkeit, Wahrheit, Schönheit wachgerufen haben. Spiegelt die Kunst diesen Kampf der Geister und ihre Sehnsucht nach einer Überwindung und Erhöhung des Lebens, so ist es nun an der Religionsphilosophie, mit allem Ernst und aller Tiefe des religiösen Empfindens diese Not und Zerrissenheit unserer Zeit zu fühlen und sie nicht durch Formeln, sondern durch wahrhafte Einsichten und Erschließungen des religiösen Gefühls ihrer Heilung entgegenzuführen. Hier darf es nun nicht die jüdische Reiigionsphilosophie, wie es leider die Bibelexegese getan hat, versäumen, das jüdische Gedankengut als jüdisches der Weltphilosophie zuzuführen und die ewig unvergängliche Kulturbedeutung der jüdischen Religion wie für jede, so .für unsere Zeit, darzustellen. Diese Arbeit der jüdischen Religionsphilosophie ist aber um so notwendiger, als in unseren eigenen Reihen ein solches selbständiges Wissen um den Gedankengehalt und die Lebensbedeutung der jüdischen Religion weithin fehlt. Sei es, daß wie besonders im Westjudentum durch die Anteilnahme und innere Verbindung mit dem geistigen, wirtschaftlichen, politischen Leben der Westvölker die Kenntnis und Schätzung des Eignen, Ewigen gesunken ist, sei es, daß wie vielfach im Ostjudentum eine solche innere Berührung mit der äußer-jüdischen Kultur um der Erhaltung des Eigenen willen möglichst ausgeschlossen wird und die Umwelt doch stärker und stärker gegen die abschließenden Mauern brandet und nicht die Wertlosesten der jüdischen Gemeinschaft entführt. Die national-jüdischen Bestrebungen wollen selbst nicht die

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