Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 62 (1918)
- Issue
- Heft 3
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 292 (sequence 3)
- Language
- German
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292 Besprechungen. der Juden größer ist als die der Gesamtbevölkerung. Die russische Militärstatistik hat vor der deutschen den Vorzug, daß sie sich auf das ganze Land bezieht. In Deutschland hat sich aber von der Militärstatistik Bayern ausgeschlossen, gerade das Land, in dem verhältnismäßig die meisten jüdisch Einjährig-Freiwilligen dienen, deshalb, weil in diesem süddeutschen Bundesstaat die Behandlung der verschiedenen Konfessionen eine gleichmäßigere ist und die jüdischen Militärpflichtigen von der Beförderung nicht ganz ausgeschlossen sind; Die bayrischen Juden sind aber nicht die einzigen, die bei der preußischen Militärstatistik fehlen. Je größer die Vorbedingungen für eine zeitweilige und dauernde Auswanderung bei den einzelnen Religionsgemeinschaften vorhanden sind, um so mehr sinkt der prozentuale Anteil der Militärpflichtigen, was nicht ohne Einfluß bei der Prozentzahl der Militärpflichtigen der jüdischen Bevölkerung ist, die auch infolge des Religions- Wechsels und der Mischehe stark dezimiert wird. Im Friedensheere mögen alle vorhergenannten Gründe die Rate der Militärpflichtigen bei den Juden ganz wesentlich herabdrücken, im Kriege, in dem die Ansprüche an die Tauglichkeit geringer sind, dürften sie nicht in demselben Mtaße vorwalten. Aber die Ansichten über die Verwendungsfähigkeiten der Stellungspflichtigen haben, wie May mit Recht betont, im Laufe der Zeiten eine Wandlung erfahren, der die Gruudzüge der preußischen konfessionellen Militärstatistik keine Rechnung tragen. Wenn man angesichts der vielseitigen Erfordernisse eines modernen Heeres ausschließlich den Grad der körperlichen Tauglichkeit als Maßstab für den Wert der Angehörigen einer Konfession in Betracht zieht, so scheint das verkehrt. May unterläßt nicht, durch treffende Beispiele die Bedeutung der Juden in der Riesenvolkswirtschaft ins rechte Licht zu setzen und ihr Organisationstalent hervorzuheben; ihre Berufsbildung bewirkt es, daß ohne irgendwelche Absichten der Bevorzugung sich unverhältnismäßig viele Juden in Stellungen hinter der Front befinden, zu denen man gesetzte und erfahrene gebildete Leute braucht. Für das ganze Wirtschaftsleben, das aufrecht zu erhalten eine besondere Aufgabe unserer Verwaltung und der Militärbehörde war, erschien es notwendig, die richtigen Männer an den richtigen Platz zu stellen, und daß hierbei grade unter den Juden mit die Geeignetsten gefunden wurden, kann ihnen nicht zur Schuld .angerechnet werden, geschweige denn, daß ihnen noch daraus der Strick gedreht werden soll, sie verringern sich infolge des Aufenthalts in der Heimat absichtlich das Kriegsrisiko für sich. Da