Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 62 (1918)
- Issue
- Heft 3
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 293 (sequence 4)
- Language
- German
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Besprechungen. 293 ferner unter den Juden die Zahl der Selbständigen eine verhältnismäßig viel größere ist als bei den andern Gemeinschaften, so ergab sich die Notwendigkeit, um die wirtschaftliche Maschine in Bewegung zu halten und den wirtschaftlichen Zusammenbruch zu verhüten, sie in ihren Betrieben schalten und walten zu lassen, weshalb verhältnismäßig mehr Juden in der Heimat blieben als bei den Angehörigen anderer Konfessionen. Aus diesen Umständen heraus mag sich die kleinere Zahl der Gefallenen unter ihnen erklären; umgekehrt dürfte, infolge der geschäftlichen Aufregungen und Widerwärtigkeiten der Satz der Kranken, hauptsächlich der Nervenkranken, bei ihnen ein stärkerer sein, als bei der Gesamtbevölkerung. Mays Schlußbetrachtung klingt sehr versöhnlich aus. Er erinnert an die bekannte Anekdote, Goethe soll einmal auf den Streit, wer der größere von beiden sei, er oder Schiller, geantwortet haben: »Was streitet ihr darüber, freut euch, daß ihr zwei solche Kerle habt«. Und so möchte May auf die Frage, welche von den drei Konfessionen für die Vaterlandsverteidigung den * größten Wert haben, antworten: Freut euch, daß ihr die drei Konfessionskreise habt, ihr habt sie alle drei nötig. , Die Tatsachen, die May vorbringt, sind geschickt zusammengestellt und den Fachmännern bekannt; aber ob seine Schrift die Gegner des Judentums entwaffnen wird, bezweifeln wir. Sie beklagen ja die Sonderstellung der Juden, ihre Tüchtigkeit und ihren Bildungshunger, und daß sie sich’ von dem anderen Volkskörper in ihrer Entwicklung, in die sie durch die Macht der Verhältnisse hineingedrängt sind, abheben. Mays Proklamierung des Burgfriedens unter den Konfessionen ist uns gewiß sympathisch, aber wir können nicht die Augen verschließen, wie sich die Dinge gegenwärtig gestalten; fast hat es den Anschein, als ob der Antisemitismus neue Blüten treibt. May hat Recht, daß jede Militärstatistik viele Fehlerquellen in sich schließt, geschweige erst eine spezielle Militärstatistik der Juden, aber schon die Vornahme einer solchen Statistik stärkt die Reihen der Judenfeinde, wenn auch ungewollt, und deshalb können wir nicht so freudig in die Zukunft blicken, wie der Verfasser. Charlottenburg. _ Jul. Rotholz. Süßmann, Arthur, Das Erfurter Judenbuch (1357—1407) [Mitteilungen des Gesamtarchivs der deutschen Juden, herausgegeben von Eugen Täubler, Fünfter Jahrgang 1914, Leipzig, Buchhandlung Gustav Fock, G. m. b. H. 1915, S. 1—126]. —