Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1918-01-01 · Heft 3 · p. Seite 289

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
62 (1918)
Issue
Heft 3
Article
[Rezension]
Date
1918-01-01
Page
Seite 289 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2829132-2829887-2829891-2894571--43363-2894731
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Besprechungen. 289 Christentum übergetreten war. Diese hatten durch die Leichtgläubigkeit, womit sie dem Oberhaupte des Geheimbundes, dessen Glieder sie waren — einem in Brünn verstorbenen Schwärmer oder Betrüger namens Frank1) — bares Geld vorstreckten und zu Offenbach selber ein ziemlich luxuriöses Leben führten, ihr Vermögen eingebüßt und waren nachher in die Bukowina gekommen, um sich finanziell zu erholen. Sie waren 50 Familien stark, schmolzen aber dann ganz zusammen und hielten sich bis auf eine zur römisch-katholischen Kirche. In ihren Nachkommen leben sie noch heute teils als Juden, teils als Christen. Die starke Vermehrung und die Zerklüftung zwischen den einheimischen und den eingewanderten Juden bewirkten indessen, daß Enzenberg seine judenfreundliche Gesinnung bald änderte. Da die jüdischen Dorfrichter als Ortsobrigkeit »auch Christen zu ihren Untertanen haben« und die Juden »in keinem Lande so viele Freiheit und Herrlichkeit genießen«, beschloß er neue Ansiedlungen zu . verbieten und nur die alten Judenfamilien zu dulden. In der Wiener Konferenz des Hofkriegsrates vom Jahre 1780 lag die Frage zur Beratung vor: Wie können die Juden in der Bukowina, die sich durch Einwanderung um das Doppelte vermehrt hatten, vermindert werden?« Es ist hochinteressant, daß eine vom General Enzenberg behufs Begutachtung der Exilierungen berufene Offizierskommission sich im Gegensatz zur engherzigen Auffassung der Zentralregierung stellte. Sie forderte, daß den Juden alle Berufszweige erschlossen werden, und wies nach, daß die Abschaffungen von Juden den modernen Staatsgrundsätzen widerspreche. Von den Ideen der Aufklärungsperioden getragen, wünschte sie Reformen für die Juden, da sonst »ihre Erziehung zu nützlichen Gliedern des Staates« .— Worte des Kaisers — unmöglich und .als »geschichtliche Ironie« erscheinen würde, Im zweiten Teil der Schrift bespricht der Verfasser die jüdischen, politischen, sozialen und wirtschaftlichen Fragen der unmittelbaren Vergangenheit und der Gegenwart. Auch in diesem Teil befleißigt er sich einer großen Sorgfalt in der Aufdeckung 1) Die grundlegenden und nahezu erschöpfenden Untersuchungen von Graetz, Dubnow und Kraußhaar über Frank und die Frankisten scheinen dem Verfasser unbekannt geblieben zu sein. M. Br. Monatsschrift, 62. Jahrgang. 19

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.