Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 62 (1918)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Aus H. Graetzens Lehr- und Wanderjahren
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 264 (sequence 34)
- Language
- German
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264 Aus H. Graetzens Lehr- und Wanderjahren. Ziels so froh, daß ich sie unmöglich unterdrücken konnte. Im Vertrauen EHW Menschenliebe und Edelsinn wage ich um abermalige Antwort, um Gewißheit zu haben, zu bitten.« Aber selbst im Überschwang der Freude erkaltete sein Lerneifer in keiner Weise. Mit Erstaunen sehen wir in seinem Tagebuch, wie er auf einmal auch in der portugiesischen Literatur hier in seinem weltentlegenen Städtchen heimisch zu werden suchte. Mit demselben Verständnis, wie die Aenaeis und die Henriade, liest er jetzt die Lusiade und in deutscher Übersetzung die Ilias. Er untersucht den technischen Aufbau der vier Kunstwerke und vergleicht sie mit der Ode des Volkes Israel am Schilfmeer (II. M. c. 15), indem er die Hauptgedanken entwickelt und die Virgil-, Voltaire-, Camoens- und Homer-Texte neben einander stellt und mit der Bibel vergleicht (S. 160 ff.). Daneben interessieren ihn lebhaft die literarischen Zeugnisse der alten nichtjüdischen Schriftsteller für das Alter und die Autorität der jüdischen Traditionslehre, und er beginnt mit großem Fleiß die Anführungen aus Josephus, Eusebius, Hieronymus usw. nach Pleßners Flugschrift »Ein Wort zu seiner Zeit«1) für sich zusammen zu tragen (S. 215 ff.). Nicht genug an dem, studiert er mit Aufmerksamkeit und Hingebung Mendelssohns Jerusalem und trägt reichliche Auszüge daraus in sein Tagebuch ein (182ff.), bis er mitten in dieser Arbeit am Jeudi, 15. Adar 5597 23. Februar 1837 anmerken kann (S. 205): »Abermaliger Tag der Freude. Ich stand früh auf, den Boten aufzusuchen, fand ihn aber nicht. Die Ungewißheit über den Inhalt des Briefes quälte mich. Endlich gegen 8, als ich aus der Schule kam, scholl mir der Ruf entgegen: der Brief ist da! Der Inhalt ist noch bestimmter und wohlwollender als des ersten. Oldenburg 37. Februar 1. »Herren H. Graetz in Zerkow. ln freundlicher Erwiederung Ihrer lieben Zuschrift v. 12. v. M. steht Ihrem Zumirkommen nach פסח הבע׳׳ל meinerseits nichts mehr im Wege. Kost und Logis steht Ihnen in meinem Hause offen, wenn ihre *) Sie erschien zuerst 1825 in Breslau, und in 2. Aufl, das. 1850. Vgl. Rosenthal, S. 938 ff.