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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1918-01-01 · Heft 3 · p. Seite 260

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
62 (1918)
Issue
Heft 3
Article
Aus H. Graetzens Lehr- und Wanderjahren
Date
1918-01-01
Page
Seite 260 (sequence 30)
Language
German
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260 Aus H. Graetzens Lehr- und Wanderjahren. Flügeln der Sehnsucht in Ihr glückliches Eden eilen. Mit der unter״• thänigsten Bitte und in der Zuversicht, daß Ew. H. W. mein unwürdiges• Schreiben nicht mit Verachtungbeseitigen und meiner schönsten Hoffnung Gewährung angedeihen lassen werden, bin ich . . . Das waren wirklich meine Gefühle wie ich sie niedergeschrieben,, und ich kann mich also von dem [mir[ von meinem Rabbi gemachten Vorwurf, ich hätte nicht mich so herabsetzen und zu verstehen geben sollen, daß ich nicht fern von Irreligiosität war, freigesprochen, daß ich in Wahrheit schreiben wollte. Mein Rabbi macht die ßemerkung, der Rabbiner würde es nicht glauben können, daß ich in so kurzer Zeit von einer solchen atheistischen Wunde unmöglich geheilt seyn könne, und daher noch in diesem Zustande seyn müsse, weshalb er mich keiner Antwort zu würdigen habe. Ich stelle es ganz der liebevollen Vorsehung heim; sie mag es nach ihren unabänderlichen Ratschluß geschehen lassen« (S. 147).- Wenige Wochen später machte er einen Ausflug nach Koschmin, Mischkow und Jaroischin. Bei der Heimkehr erwartete ihn die große Überraschung seines Lebens. »Am Mittwoch, 5. Sehewat, 11. Jan. 1837, am Vorabend«, erzählt er (S. 148), »kam ich nach vielen Strapatzen durch den schlechten, morastig aufgethauten Weg,, nach Hause und abends um 6 Uhr — o Freude, — o Wonne, erhielt ich einen Brief vom Oldenburger Rabbiner Hirsch als Antwort auf meinen von 16. 12. In allen meinen Adern rieselt Freude, die sich auch in meinem ganzen Wesen offenbart. Ich bin so selig froh, daß ich meinem Todesfeind um den Hals fallen könnte. Auch die Mehligen und theilnehmende Freunde freuen sich darob. Was kann entzükender seyn als die Erfüllung des schönsten Wunsches. Denn eben dadurch kann ich meinen Eltern und Freunden zeigen, daß, wenn ich gleich so lange in Unthätigkeit gesetzt bin und ihnen dadurch verloren und untauglich scheinen mag, ich dennoch Hoffnung genug haben kann, etwas in der Welt zu werden. Zugleich kann ich auch meinen Feinden, deren ich hier viel habe, und die höhnisch (über) meine Unthätigkeit deuten mögen, den Stachel benehmen. Aber auch in meinen eignen Augen habe ich einen Wert erlangt und die Aussicht, Philantrop

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