Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 62 (1918)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Aus H. Graetzens Lehr- und Wanderjahren
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 253 (sequence 23)
- Language
- German
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253 Aus H. Graetzens Lehr- und Wanderjahren. Krebs aus Gleiwitz in Oberschlesien, Prag mit lebhaften Farben gemalt. . . . Lundi [den 2. Mai] frühmorgens reiste ich ab, halb freudig, halb verzagt (S. 100) und legte diesen Tag ך Meilen bis Ni mptsch zurück. Die Leutseligkeit und Redseligkeit der Schlesier unweit Br. nahmen mich einigermaßen ein. Mardi machte ich mich früh auf nach Frankenberg zu gehen, über welchen 2 meiligen Weg ich durch die gestrige Müdigkeit bis Mittag zubrachte. Ganz erwünscht kam mir da eine Gelegenheit auf beinah 5 Meilen; sonst würde ich es vor Müdigkeit nicht ausgehalten haben. Wenn ich niemals das Auge einer vorsorgenden, beschützenden und helfenden Vorsehung erblickt hätte, so sah ich es auf dieser Reihe deutlich, wie mich eine unsichtbare Hand schützte« (S. 102). Je weiter er sich von der Heimat entfernte, desto mehr nahm sein Heimweh zu. Nur der »Gedanke, daß ich neue Menschen und Gegenstände kennen lernen, neue Kenntnisse zulernen, dadurch vielleicht die Doktor-Würde erlangen und also meinen Eltern Freude verursachen würde, konnte mich einigermaßen trösten. Nicht unangenehm war mir der Einfall, wenn mich die Grenzaufseher aus Mangel an Reisegelde, welches mit jedem Tage wie schwindsüchtig abnahm, zurückweisen möchten, und ich dachte so lange darüber nach, bis es mir zur Gewißheit wurde, und ich darin (S. 104) Trost fand. Mit widersprechenden Gedanken bestieg ich die hohen Berge bei Reinerz, wo ich mich, teils um weiter zu kommen, teils um mein Geld nicht ganz zu verzehren, keine Minute auf hielt«. Am späten Nachmittag kam er nach Lew in, dem letzten preußischen Städtchen an der böhmischen Grenze und übernachtete daselbst. Schon am nächsten Tage erlebte er, was er bald befürchtet, bald ersehnt hatte. »Die Vorsehung hielt mich beim Wort«, sagt er. »Denn als ich den kaiserlichen Grenzaufsehern meinen Paß gezeigt und sie ihn mühsam buchstabiert hatten, fragten sie mich nach Reisegeld, und als ich seuiement deux ecus [avais] et ils exigeaient dix florins de mon. de conv. ,c’est d’apres