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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1918-01-01 · Heft 3 · p. Seite 252

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
62 (1918)
Issue
Heft 3
Article
Aus H. Graetzens Lehr- und Wanderjahren
Date
1918-01-01
Page
Seite 252 (sequence 22)
Language
German
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252 Aus HL Graetzens Lehr- und Wanderjahren. gerieth, »dieser mich, als ich, nichts Böses denkend, um Quartier fragte, barsch anfuhr, und mich gehen hieß. Mein Mut sank immer mehr und mehr, und so große Hoffnungen ich auch von mir hegte, so konnte ich doch nicht umhin, im Stillen das unerbittliche Geschick, das durchaus jeden ins Elend treibt^ anzuklagen. Ich lief wie wahnsinnig, als [ich endlich ein] Logis gefunden hatte, durch die unbekannte Stadt von einer Gasse in die andre, ohne ein Ziel zu verfolgen, .... und wurde endlich so verzagt, daß ich ausschließlich an eine Gelegenheit zur Rückreise dachte. Jedoch wurde mein Gemüt um vieles ruhiger als ich von einem bieder scheinenden und religiösen Manne Landsberg, an welchen ich einen Brief mitgebracht, gut aufgenommen, und zu Mittag eingeladen wurde. Dieser flößte mir durch seine Weltkenntnis neuen Mut ein, welcher noch zunahm als ich nun mit den verschiedenen Personen im Logis Bekanntschaft gemacht (S. 100). Abends ergötzte mich die dortige prachtvolle Betschule und die darin herrschende Ordnung* 1), und des Morgens die das erste Mal gehörte Militär-Musik bei der Wachtparade. Gegen Abend führte mir der Zufall durch eineDisputationundRaisonnement über die Predigt eines Mährischen Mannes eine Bekanntschaft zu, wo ich meine Talente ein Wenig ins Licht stellen konnte. Nach und nach wurde ich schon das tumultuarische Leben gewohnt, und es verdroß mich recht, als ich nun im Einste, weil ich in Breslau unmöglich Unterkommen konnte, an Abreisen denken mußte. Doch war ich recht mutig, weil mir die gedachte Bekanntschaft, hiesigen Universität und seit 1S39 alleiniger dirigierender Arzt des hiesigen jüdischen Krankenhauses gewesen ist Der berühmte Philologe Ritschl war sein Schwiegersohn. Vgl. Grätzer, Lebensbilder hervorragender schles. Ärzte, S. 182 f. 1J Es ist zweifellos von der »Synagoge der Gesellschaft der Brüder« im Storch die Rede, die seit 1873 Gemeinde-Synagoge ist. Die für sie geltende »Synagogen-Ordnung« ist 1829 im Druck erschienen. M. B. Friedenthal schrieb eine besondere Abhandlung מאמר מרדכי/ um die halachische Berechtigung der eingeführten Neuerungen nachzuweisen. Sie ist 1834 mit der Approbation des Oberrabbiners R. Sal. Tiktin gedruckt wo 1 den.

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