Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 62 (1918)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Aus H. Graetzens Lehr- und Wanderjahren
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 248 (sequence 18)
- Language
- German
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248 Aus H. Graetzens Lehr־• und Wanderjahren. einen Mittagstisch zu bewerben, oder die ihm vom Monatsvorsteher zugewiesenen anzunehmen. Jetzt kam hinzu, daß sein Oheim, von dem er eine kärgliche Unterstützung bezog, entschlossen war, seinen Wohnsitz nach Halle zu verlegen. So litt er am notwendigsten Mangel und hatte selbst an Sabbaten häufig nur trockenes Brot zu essen. Bei alledem erschien er stets heiter und vergnügt, und selbst seine nächsten Freunde ahnten nichts von seinen Erbehrungen. Für alle Mißhelligkeiten entschädigte ihn das Eine, daß er selbständig und unabhängig in den besten und gebildetsten Familien verkehren durfte. Denn sein Lerneifer erkaltete auch in dieser schweren Zeit in keiner Weise. Aus jedem erreichbaren Buche eignete er sich neuen Bildungsstoff an, ohne ihn freilich sogleich vollständig verarbeiten zu können (S. 82 ff.). Alle diese wechselnden Eindrücke riefen eine innere Umwälzung in ihm hervor. »Durch diese wiedersprechenden Meinungen, heidnische, jüdische und christliche, kabbalistische, maimonidische und platonische, wurde mein Kopf so verdreht und mein Glaube so wankend gemacht, daß ich ... mich in den tiefen Abgründen der Unterwelt, nicht das Licht gesehen zu haben wünschte, nicht weil ich allzusehr den Skeptizismus fürchtete, sondern weil wir ohne die Unsterblichkeit ... die unseligsten und unglücklichsten Geschöpfe auf dem Erdplaneten sind. Wie Furien rissen solche Gedanken dann an meinem Innern, wenn sie, wie oft geschah, sowohl durch meine Dürftigkeit, als durch meine Lektüre auf diese Untersuchung gebracht worden sind. Nur der heitere, sternenbesäte Himmel, an welchem mein Auge nach Sonnenuntergang mit Entzücken hing, frischten das beseeligende und erwärmende Gefühl auf: Ja, es ist ein Gott dort über dem Sternenzelt. Dann wurde mir so warm ums Herz, so leicht auf der Brust, daß ich gewöhnlich, wenn düstere Schwermut mich zu Boden drückte, dies als Erleichterungsmittel gebrauchte« (S. 83). Einige Abwechselung brachte ihm im Tebeth (Ende Dezember) die Hochzeit seiner Schwester, zu der er nach Zerkow fuhr. Die witzigen Wendungen in der Ansprache, die er bei diesem Anlaß hielt, erfüllten seine Angehörigen mit Genugtuung und fanden