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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1918-01-01 · Heft 3 · p. Seite 247

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
62 (1918)
Issue
Heft 3
Article
Aus H. Graetzens Lehr- und Wanderjahren
Date
1918-01-01
Page
Seite 247 (sequence 17)
Language
German
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Aus H. Graetzens Lehr- und Wanderjahren. 247 und Abderiten, auch Mendelssohns Paädon und Jerusalem nahmen sein ganzes Interesse in Anspruch. »Besonders liebte ich das Scharfsinnige und Gelehrte in der Literatur, sowie alte Geschichte, welche noch jetzt meine Lieblingsmuse ist, und dieses kam, weil ich mich schon lange auf Mythologie gelegt und sie jetzt auf einen gewissen Grad von Vollkommenheit brachte. Curtius’ Alexander und Virgils Aeneis kamen mir noch sehr schwer vor« (S. 65). Auch für Humor und Satire, die er bisher für »absurd und geschmacklos« gehalten, gewann er jetzt Verständnis« und lernte sie gewandt und erfolgreich anwenden. In der Vorliebe für witzige Stilisierung sah er jetzt sein Ideal, und jede Unterhaltung erschien ihm schal ohne die Würze des Humors. Die Neigung wurde unterstützt und gefördert durch einige befreundete Jünglinge, die gemeinsam ein Wochenblatt, den »Schnelläufer«, herausgaben und seine Mitarbeit erbaten. In der Zeitschrift, die nur handschriftlich verbreitet wurde, erschienen einige seiner »Feinen Ge־, dankenkinder in gelbes Lumpenpapier gehüllt« (S. 67). Außer der Anerkennung seines Freundes Behrend, der in den Skizzen eine besondere schriftstellerische Begabung ahnte, brachten ihm die ersten Sprößlinge seiner Feder schweren Ärger und Verdruß und die Sehnsucht, den kleinlichen Verhältnissen zu entfliehen. Zeitweise Erhebung über das tägliche Ungemach brachten ihm nur die Feiertage. Am Neujahr 5596 (= 25. September 1835) »war ich so andächtig und religiös, nicht wie immer aus Furcht vor dem שופר und שטן, sondern aus reiner Gottes-Liebe. Ich betete nicht wie andere um irdische zeitige Güter, ob ich gleich geldbloß war, sondern um Ausrottung des schändlichen Aberglaubens und Betruges, die neben dem Atheismus, dem größten Feinde, die Herr- Schaft über unser Volk hat. Ich weinte so inbrünstig über die Gebete, daß ich mich darüber wunderte« (S. 73). Der Winter brachte ihm allerlei Verdrießlichkeiten. Unbedachte Äußerungen, die von Zwischenträgern in maßlos übertriebener Form weitergegeben wurden, erschwerten ihm den Lebensunterhalt. Er konnte es ohnehin schwer über sich gewinnen, nach Brauch und Herkommen der Bachurim sich bei gleichgültigen Personen um

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