Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 62 (1918)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Aus H. Graetzens Lehr- und Wanderjahren
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 242 (sequence 12)
- Language
- German
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242 Aus H. Graetzens Lehr- und Wanderjahren. mehr zu genießen, zumal, da ich von Kronthal1), einem wahren Menschen und Menschenfreunde, dem Bibliothekar, gratis zu lesen bekam. Die kleine Geschichte von Bredow2), die Campeschen Reisebeschreibungen und endlich Theofron3) bildeten mich sichtbarlich zu einem •andern Menschen«. In den ersten Wochen seines Aufenthalts in Wollstein beschäftigte er sich neben den Talmudstudien eifrig mit Recht- Schreibung und deutscher Grammatik, worin er zwei junge Damen zu unterrichten hatte, schrieb einen begeisterten Hymnus über den Frühling in hebr. Sprache und wollte im August bereits mit Benzion Behrend4), seinem besten Freunde, anfangen, Latein zu treiben. In der Tat lernten sie die fünf Deklinationen und zahlreiche Vokabeln auswendig, legten aber schon nach vierzehn Tagen die Lateinische 4) Er, hieß nach seinem Leichenstein Dob Baer Kronthal, war der Besitzer einer Leihbibliothek und starb im Frühjahr (2. Ijahr =) 11. April 1834. Mit seinen Nachkommen, die nach Posen zogen, blieb Graetz jeder Zeit in freundschaftlichem Verkehr. 2) Gemeint sind wohl die »merkwürdigen Begebenheiten aus der allgem. Weltgeschichte« von Gabr. Gottl. Bredow, die 1803 in erster und 1880 in 37. Aufl. erschienen sind. Das Büchlein war bei den Juden sehr beliebt und ist noch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ins Hebräische übersetzt worden. Über Bredow s. ADB. Bd. III, S. 282 f. 3) Damals erschien gerade die vierte Auflage von Joachim Heinrich Campes sämtlichen Kinder- und Jugendschriften in 37 Bänden (Braunschweig 1829—1832). Seine Reisebeschreibungen und sein Teophron oder »der erfahrene Ratgeber für die unerfahrene Jugend« waren auch bei den Juden eine sehr beliebte Lektüre. Teile seiner Reisebeschreibungen wurden 1807 von Mose Frankfurt, 1818 von Mendel Levin, 1823 von Mordechai Aharon Günzburg, 1824 von David Samoscz (Zedner 165, Zeitlin 320), Teophron aber von David Samoscz 1819 unter dem Titel תוכחת מוסר, von Barach Schönfeld 1831 u. d. t. מוסר השכל und von Hirsch Anopolsky 1865 u, d. T. אביעור (Zedner a. a. O. Zeitlin S. 5) ins Hebräische übersetzt. Über Campes Leben und Werke vgl. ADB Bd. III, S. 733 ff. Über den Ritterroman Hugo von Felseneck habe ich nichts ermitteln können. 4) Er wurde nachmals sein Schwager. Das Wichtigste über ihn und seinen Lebensgang habe ich in der MS 1917, S. 327, S. A. S. 7, bereits mitgeteilt.