Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 62 (1918)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Aus H. Graetzens Lehr- und Wanderjahren
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 241 (sequence 11)
- Language
- German
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Aus H. Graetzens Lehr- und Wanderjahren. 241 חשבון העתים, auszuarbeiten und hat es, etwa fünfzehn Jahre alt, in Wollstein vollendet1). Hierher brachten ihn die Eltern schon im dreizehnten oder kurz nach Vollendung des dreizehnten Lebensjahres. Dieses Örtchen mit seinen dritlehaib tausend Einwohnern lag in anmutiger Gegend zwischen zwei Seen nur wenige Meilen von der brandenburgischen Grenze entfernt. Es galt als eine deutsche Stadt. Nur der vierte Teil der Einwohner waren Polen. Die achthundert Juden hielten sich nach Sprache und Lebensführung zu den Deutschen2). Ihr Rabbiner, R. Samuel Munk3), gehörte ganz der alten Schule an, war aber milde und nachsichtig gegen die Jünger, die auch profanem Wissen nachgingen, wofern sie nur die halachischen Studien nicht arg vernachlässigten. Über die sonstigen Bildungsmöglich־ keiten berichtet Graetz selber, dem ich nun fast ganz das Wort überlasse. Als sein Kalender-Büchlein fertig war, widmete er einen Teil seiner Mußestunden der Führung seines Tagebuches. Die jetzt verlorenen ersten 4 Seiten des ersten Heftes enthielten, wie der Zusammenhang lehrt, im Hinblick auf seine damalige Lage, Betrachtungen über die Entfernung von der Heimat, über die Trennung von den Angehörigen und über das Heimweh, das ihm Tränen ausgepreßt hat. »Und doch war dieses Getrenntseyn (S. 5). die Basis meines künftigen Seyns.« Schon im Winter, schon im Elternhause habe er eine Neigung zu »Lektüren« gehabt. »Jedes Buch entzückte mich wie jeden Neugierigen, denn mein Gefühl nahm noch keinen Anteil daran, und Hugo von Felseneck, der erste Ritterroman, hatte mich ganz bezaubert. Nun fing ich an, dieses ג) Es wurde, wie Bloch a. a. O. S. 17 berichtet, fein säuberlieh abgeschrieben in seinem Nachlaß vorgefunden. Mir liegt es nicht vor. 2) Wuttke, a. a, O. S. 468 f. Meyer, Geschichte des Landes Posen, S. 377. 3) Unsere Seminar-Bibliothek besitzt sein Mohelbuch (Beschneidungsregister), das von 1794—1840 regelmäßig geführt ist und über den männlichen Zuwachs der Gemeinde während dieser Zeit zuverlässige Auskünfte gibt. Monatsschrift, 62, Jahrgang. 16