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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1918-01-01 · Heft 3 · p. Seite 235

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
62 (1918)
Issue
Heft 3
Article
Aus H. Graetzens Lehr- und Wanderjahren
Date
1918-01-01
Page
Seite 235 (sequence 5)
Language
German
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Aus H. Graetzens Lehr- und Wanderjahren. 235 jener wagte sogar, die sauer ersparten Groschen dazu zu verwenden, um sich bei einem Gymnasiallehrer wenigstens einmal wöchentlich eine Anleitung zum Studium der lateinischen oder französischen Sprache geben zu lassen. Hin und wieder war einer sogar schon so modern1), daß er sich nach der Weise der damaligen bürgerlichen, besonders der *studierenden Jugend, ein Stammbuch2) anlegte und sich von seinen Freunden Eintragungen, und zwar am liebsten solche in hochdeutscher Sprache machen, ließ, die selbstverständlich Versicherungen ewiger Treue und Zuneigung zum Inhalt hatten. Es ist nicht viel, was von dieser Literatur in weiteren Kreisen bekannt geworden ist. Zwei solche Büchlein aus dem Anfang der dreißiger Jahre liegen mir vor. Beide waren einst das Eigentum von jungen Leuten, die in Lissa den Talmud studierten3). Die x) Über die Sucht der südpreußischen Juden, alle A'loden mitzumachen, redet bereits Struensee in seinen »Blicken auf Südpreußen vor und nach dem Jahre 1793« und hielt gerade diesen Hang, dessen moralisch bedenkliche Seite er sehr wohl erkannte, für ein Mittel, die Juden den übrigen Einwohnern ähnlich zu machen (Wuttke, a. a. O. S. 228). 2) Vgl. Heydenreich, »Handbuch der praktischen Genealogie« II, 188 ff. Für den jüdischen Kreis gehören zu dieser Literaturgattung die Lobgedichte, die den Verfassern von Büchern gewidmet und seit dem 17. Jahrhundert von diesen veröffentlicht wurden. Joseph Pencos allegorisches Drama אסירי התקודז, das 1672 in Amsterdam im Druck erschienen ist, enthält z. B. allein etwa 20 dieser Sorte von Poesien (s. Rosenthal, S. 585, der zwei, freilich ungenannte Dichter mitzuzählen vergessen hat). Von Stammbüchern unter den Juden erfahren wir erst aus der Mendelssolmschen Zeit etwas, vgl. zuletzt die Mitteilungen Vogelsteins aus Isak Euchels Stammbuch in der Festschrift zum 70. Geburtstag Philippsons, S. 280 ff. 3) Beide — Heimann Cohn, geb. 1815 in Samotschin und gest. das. am 6. Januar 1871, u. Abraham Cohn, aus Gr. Glogau — waren Alters- und Studiengenössen meines sei. Vaters. Aus dem Nachlaß beider sind der Bibliothek des jüd.-theol. Seminars Bücher überwiesen worden. Besonders bemerkenswert ist die große Sammlung, die von Abr. Cohn (geb. in Glogau, 27. April 1816, gest. in Posen 4. Mai 1903) herrührt. Wie ein echter Bücherfreund hat er seine Erwerbungen fleißig studiert und mit zahlreichen wertvollen Bemerkungen an allen Orten

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