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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1918-01-01 · Heft 3 · p. Seite 234

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
62 (1918)
Issue
Heft 3
Article
Aus H. Graetzens Lehr- und Wanderjahren
Date
1918-01-01
Page
Seite 234 (sequence 4)
Language
German
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234 Aus H. Graetzens Lehr- und Wanderjahren. die Tatsache fest: »Wir haben diese Übersetzung verschiedenen, nicht eben ungelehrten Juden vorgelegt, aber es war ihnen schwer, das Deutsche zu lesen, oder den Sinn zu finden. Noch sind sehr wenige1) an Geist, Genie und Sprache so gebildet, daß sie gute und reine Übersetzungen mit Vergnügen und Nutzen lesen«. Wie schnell aber selbst hier im Osten die Wendung eintrat, lehrt ein anderes, erst jüngst in den Besitz des jüdisch-theologischen Seminars gekommenes handschriftliches Büchlein aus dem Beginn des 19. Jahrhunderts. Danach saß in Schmiegel, einem unbedeutenden Städtchen der deutchen Ostmark2), ein mit Namen nicht benannter Jude, der mit rührendem Fleiß und hingebendem Eifer die Schriften Herders und Schleiermachers las und studierte und sich daraus offenbar für seinen eigenen Gebrauch in jüdischdeutscher Schrift mit erstaunlicher Genauigkeit und in gewandter hochdeutscher Darstellung reichliche Auszüge machte. Noch mehr als ein Jahrzehnt verging in jener Gegend, bis unter der wiederhergestellten Kgl. preußischen Herrschaft die Regierung anfing3), sich um den systematischen Unterricht der Jugend zu kümmern. Diese Fürsorge übte schon nach kurzer Frist ihre wohltätige Wirkung selbst in den engen Konventikeln der Talmudjünger in Glogau, Lissa und Posen aus. Fast jeder »Bachur« bemühte sich, in Wort und Schrift der hochdeutschen Sprache kundig zu werden, und mit einem hohen Grad von Befriedigung über die mühsam errungene Bildung verabscheute er von Stunde an jedes jüdisch-deutsche Wort und jeden unangenehmen Nebenton selbst in der Umgangssprache. Der und 2) Auch hier im Osten gab es deren einige schon in den Tagen Mendelssohns. Ich brauche nur an den Dichter Ephraim Moses Kuh in Breslau und den Philosophen Salomon Maimon zu erinnern. Vgl. die Abhandlung Eschelbachers über »die Anfänge allgemeiner Bildung unter den deutschen Juden vor Mendelssohn« in der Festschrift zum 70. Geburtstag Martin Philippsons, S. 168 ff. 2) Etwa 1800 gab es hier unter 2125 Einwohnern 235 Juden (Wuttke, Städtebuch des Landes Posen, S. 438). 3) Vgl. meine Abhandlung, »Heinrich Graetz« in Jahrgang 1917 der MS. S. 323, Anm. 2. (Sonder Abz. S. 3, Anm. 2\

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