Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 62 (1918)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Aus H. Graetzens Lehr- und Wanderjahren
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 233 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2829132-2829887-2829891-2894562--43293-2894675- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Aus H. Graetzens Lehr־ und Wanderjahren. 233 ,Talmudjünger, der in Berlin seine Studien fortsetzte, beauftragte er darum, ihm die Schriftstücke zugänglich zu machen. Als er sie aber in Händen hatte, waren sie für ihn wie das versiegelte Buch, von dem der Prophet (Jesaia 29, 12 f.) spricht, da er sie weder lesen noch verstehen konnte. Er ließ deshalb nicht ab, seinen Schüler zu bedrängen, daß er ihm das Schreiben verdolmetsche und erläutere. Einer seiner Mahnbriefe vom [1. Nissan 5542 =] 4. April 1772 ist uns erhalten. Nach langem Sträuben unterzog sich der junge Mann der Aufgabe, die weit über seine Kraft ging, weil er selbst die deutsche Sprache keineswegs beherrschte. Aber dem Befehl des Meisters gehorsam, übersetzte er wirklich Mendelssohns Brief ins Hebräische und schrieb nach der Weise eines richtigen Halachisten einen umfangreichen hebräischen Kommentar dazu. Allerdings hätte er bei der Niederschrift in seinen kühnsten Träumen nie geahnt, daß das mehr oder minder mangelhafte Erzeugnis seines Fleißes jemals einem Sprachmeister wie Hartwig Wessely1) zugeschrieben werden würde. Acht Jahre später gab Moses Mendelssohn seine hochdeutsche Pentateuch-Übersetzung heraus und ließ sie mit hebräischen Buchstaben drucken, um seinen Glaubensgenossen deren Verständnis zu erleichtern oder wenigstens zu ermöglichen. Der erste Erfolg war mangelhaft. Ein zuverlässiger Gewährsmann, Prof. Döderlein, stellte in einer sehr anerkennenden Anzeige des neuen Buches2) x) Vgl. Salomon Fuchs, Schreiben an Lavater von Moses Mendelssohn, aus dem Deutschen ins Hebräische übertragen und mit einem Kommentar versehen von Hartwig Wessely. Zum ersten Mal nach einer Handschrift aus der Bibliothek Halberstams herausgegeben, nebst Einleitung und Anmerkungen. Berlin I892,8. Der Cod. Halberstam ist jetzt Nr. 427 der hebräischen Handschriften des Jews’ College in London, vgl. Hirschfelds Katalog dieser Sammlung, S. 136. Der richtige Tatbestand, wie er im Text geschildert ist, ergibt sich aus der Einleitung zu Cod. 206 der Bibliothek des jüd.-theol. Seminars. Die Übersetzung ist identisch mit der von Fuchs aus dem Cod. Halberstam abgedruckten. Nur fehlt in letzterem die gesamte bei uns vorhandene Einleitung. 2) In seiner »auserlesenen theologischen Bibliothek«, Bd. I, S. 156, angeführt im Anhangzum Katalog der Rosenthalschen Bibliothek Nr. 2584•