Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 62 (1918)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Aus H. Graetzens Lehr- und Wanderjahren
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 232 (sequence 2)
- Language
- German
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232 Aus H. Graetzens Lehr- und Wanderjahren. Am 12. Dezember 1769 schrieb Moses Mendelssohn seine abwehrende Antwort auf das zudringliche öffentliche Sendschreiben des Diakonus Lavater in Zürich. Die Nachricht von der klugen und mannhaften Entgegnung erweckte überall die Teilnahme der Juden. Selbst in der Judengasse des weltentlegenen Städtchens Wolcz (jetzt Deutsch-Krone) erwachte die Wißbegierde. Es hat allerdings reichlich zwei Jahre gedauert, bis die Nachricht von dem wunderlichen Briefwechsel dorthin verschlagen wurde. Wie überall brachten wohl auch hierher die Kaufleute, die regelmäßig die Frankfurter Messe besuchten, die Kunde davon mit. Ihr Rabbi, der davon erfuhr, R. Simcha Aschkenasil)—sein Zuname Aschkenasi, d. h. der Deutsche, war wohl das einzige echt Deutsche an ihm — wünschte der Sache auf den Grund zu kommen. Einen seiner ג) Er war nach der 1788 (גואל י&ראל) von den Sopher Meir Herz b. Naphtali Hirsch aus [Mark.] Friedland angelegten Totenliste der Gemeinde der Zweitälteste Rabbiner der Gemeinde. Als ältesten kennt die Liste den R. Josua, den ich, wie mir scheint, bereits in meiner Geschichte des Rabbinats in Schneidemühl (Jahrb. für 1896 S. 117, Anm. 46, vgl. S. 112, Anm. 23) richtig als den Urenkel und Namensträger des berühmten Krakauer Rabbiners, des Verfassers der Meginne Schlonoh, und als den Bruder des Schneidemühler Rabbiners R. Naphtali Herz nachgewiesen habe. Ex war der vermutlich unmittelbare Nachfoiger des R. Abraham Mordechai b. Israel Heilprunn, der am Sonntag, [24. Thammus 4670 —] 24. Juli 1707 in Frankfurt a./'O. die Berliner Ausgabe des עין יעקב approbiert hat und nachmals Rabbiner in Wronke gewesen ist. Dessen Vorgänger war R. Naftali Herz b. Mosche Spitz, der 1691 in Dyhernfurth das ילקוט דוד ,D seines Sohnes David herausgab (MS. XL (1896), S. 524, Anm. 2). Die Namen der früheren Seeienhirten sind verschollen. Es wird deren wohl schon etliche ältere gegeben haben, da der Stiftungsbrief, auf Grund dessen sich die Juden unmittelbar neben der Stadt auf der »Kicka« niederließen, ihnen 1623 vom Starosten Weyler für einen Grundzins von 150 Gulden erteilt war (Schnitt, FWF, Gesch. des Deutsch-Kroner Kreises, S. 159 ff.). Im übrigen ist unser Örtchen auch sonst für die Geschichte der Ostjudenheit nicht ganz uninteressant. Es ist — freilich durchaus mit Unrecht — durch einen polnischen Geschichtsschreiber in den Ruf gekommen, daß die dortige Judenansiedlung eine der ältesten im europäischen Osten gewesen sei und schon 1085 bestanden habe. Vgl. meinen kurzen Artikel in der Monatsschrift, Jahrg. 1909, S. 589, und jetzt Germania Judaica I, 1, S. 86.