Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 62 (1918)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zur Lebensgeschichte Uriel da Costas
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 209 (sequence 11)
- Language
- German
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Zur Lebensgeschichte Uriel da Costas. 20$ an, daß er um 1633 Witwer gewesen ist1). Da er aber von 1616 ab als Ketzer verfolgt, vielleicht schon in diesem Jahre, spätestens aber 1618 zum ersten Male exkommuniziert und erst 1633 in die israelitische Gemeinschaft wieder aufgenommen worden ist, kann er nicht später als 1616 eine Ehe nach jüdischem Religionsgesetz geschlossen haben. Wahrscheinlich hat er in Hamburg geheiratet2). In Amsterdam waren damals alle Nichtreformierten, die heiraten wollten, verpflichtet, ihre Ehe auf dem Stadthaus zu schließen und dort standesamtlich eintragen zu lassen. Aber die Juden trachteten, wo sie konnten, sich dieser Verpflichtung zu entziehen, indem sie sich in ihren Konventikeln trauen ließen3). Und so ist es allerdings nicht ausgeschlossen, daß da Costa schon in Amsterdam bald nach seiner Ankunft, also schon vor 1615, geheiratet hat, obwohl in den dortigen »Puyboecken«4) nichts davon verzeichnet ist. — Da er als verheirateter Mann in Hamburg einige Zeit gewohnt hat, dürfte sein dortiger Aufenthalt auch mit geschäftlichen Zwecken verbunden gewesen sein. Die eifrigen Verfolgungen, die er dort zu erleiden hatte, und die nachteiligen Folgen des über ihn verbängten Bannes werden ihn bewogen haben, nach Amsterdam 1) Nichts anderes können seine Worte besagen: hoc enim tempus orbatus eram uxore (Ex. 78). Er scheint in Amsterdam auch ein eigenes Haus besessen zu haben. Ich glaube dieses aus seinen Worten (Ex. 78) »ne tranquillus etiam in domo propria agere possem«, schließen zu dürfen. 2) Die jüdische Gemeinde in Hamburg, die sog. portugiesische Nation, zählte i. J. 1612 außer 26 Ehepaaren 73 teils unverheiratete, teils alte Personen (Kinder nicht mitgerechnet), siehe Reils in Ztschr. f. Hamburgische Gesch. II, 37g. 3) Siehe Meinsma, S. 47, Anm. 2. 4) Puyboeck bedeutet Ehestandsbuch darum, weil die Namen der nicht der Staatskirche Angehörigen, die eine Ehe eingehen wollten# am puy (Giebel) des Stadthauses äusgehängt und in das puyboeck eingetragen wurden (nach Mitteilung Meinsmas bei Freudenthal, Lebensgesch. Spinozas, S. 262). Monatsschrift, 62. Jahrgang. 14