Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1918-01-01 · Heft 3 · p. Seite 208

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
62 (1918)
Issue
Heft 3
Article
Zur Lebensgeschichte Uriel da Costas
Date
1918-01-01
Page
Seite 208 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2829132-2829887-2829891-2894559--43265-2894650
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

208 Zur Lebensgeschichte Uriel da Costas. 9. Febr. 1612 annulliert. Zwischen 1610 und 1612 war es kaum möglich, für eine ganze Familie die königliche Erlaubnis zur Auswanderung zu erhalten. Aber von da ab wurden die gegen den freien Abzug der Maranen gerichteten Gesetze fortwährend mit wechselndem Erfolge bekämpft, bis am 17. Nov. 1629 ihre endgiltige Abschaffung durchgesetzt wurde1). So dürfte es denn erst zwischen 1613 und 1615 der Familie da Costa2) gelungen sein, Portugal zu verlassen. Aus dem Berichte da Costas3) geht hervor, daß sein Vater bereits verstorben war, als er den Plan zur Auswanderung entwarf und mit seinen Brüdern besprach. Die Angabe4), daß er vordem seinen Brüdern ein Lehrer gewesen war, bezieht sich wohl auf die Zeit vor seiner Immatrikulation. Er kann schon als Zwanzigjähriger, also um 1599 und dann noch weitere vier Jahre seine jüngeren Brüder im Hause unterrichtet haben, deren jüngster, wenn wir als Altersunterschied zwischen dem ältesten und dem jüngsten von 5 Brüdern nur 10 Jahre annehmen, um 1589 geboren wäre. Bei der Übersiedelung nach Amsterdam waren sämtliche Geschwister bereits erwachsen, der älteste Sohn, Gabriel, wohl mindestens 34 Jahre alt. Im Jahre 1616 hat Uriel da Costa bereits in Hamburg gewohnt und von dort aus rege ketzerische Propaganda betrieben. Der Anfang dieser seiner Tätigkeit aber fällt gewiß nicht erst in das Jahr 1616, sondern ist schon früher anzusetzen. Spätestens 1615 wird er. also bereits in Hamburg gewohnt haben. Daß er in ledigem Stande aus Portugal ausgewandert ist, steht fest, ebenso auch, daß er nicht unverheiratet geblieben ist. Er selbst gibt J) Siehe Amador de los Rios, Historia de los Iudeos III, 515 ff. 2) Außer der Mutter und den Brüdern, die von da Costa erwähnt werden, ist ohne Zweifel auch eine Schwester mit nach Amsterdam gekommen, deren Sohn, wie da Costa (Ex. 78) erzählt, im Jahre 1633 als Knabe bei ihm wohnte und ihn wegen seiner unjüdischen Art der Speisenzubereitung denunzierte. Auch von einem Vetter (amhinus, Sohn einer Vatersschwester) und einer Schar von Verwandten (agrnen propinquorum) ist bei da Costa die Rede. 3) Ex. 73. 4) Ex. 74.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.