Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 62 (1918)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zur Lebensgeschichte Uriel da Costas
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 205 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2829887-2829891-2894559--43262-2894647- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Zur Lebensgeschichte Uriel da Costas. 205 auszuharren? Wäre sie im Banne bei ihm gestorben, er häite, auch wenn ihr schließlich die jüdische Beerdigung nicht verweigert worden wäre, es sich nicht entgehen lassen, in seiner letzten Abrechnung mit den Rabbinen ihre Unduldsamkeit gegen die Greisin, die man nicht allein exkommuniziert hatte, sondern auch nach dem Tode eines ehrlichen Begräbnisses nicht teilhaftig machen wollte, ihnen zu Lasten besonders hervorzuheben. Es ist darum höchstwahrscheinlich, daß da Costa mit seiner Mutter nach kurzer Verbannung wieder nach Amsterdam zurückgekehrt ist. Hier dürfte sie entweder unter dem Drucke der ihr angedrohten weiteren Maßregeln oder unter dem Einfluß ihrer beiden frommen Söhne oder vielleicht gar aus freien Stücken sich von ihrem Sohne losgesagt haben, nachdem dieser die letzte innere Wandlung vom bibelgiäubigen Israeliten zum freidenkenden Theisten vollzogen hatte. Nur die Annahme einer zuletzt zwischen Mutter und Sohn eingeiretenen Spannung und Entfremdung gibt eine ausreichende Erklärung dafür, daß die treue Anhänglichkeit der Mutter in der Selbstbiographie des Sohnes unerwähnt geblieben ist. Die Vermutung liegt nahe, daß die am 4. Oktober 1628 in Amsterdam verstorbene und auf dem jüdischen Friedhofe in Ouderkerk beerdigte Sara da Costal) die Mutter Uriels gewesen ist. Ihrem Namen ist keine weitere Familienangabe in der Totenliste hinzugefügt, wohl einfach darum, weil es sich um die Frau eines als Christ verstorbenen Mannes handelt. VI. Eine gründliche Untersuchung der alten und neuen Quellen über da Costa hat manche nicht unwichtige Einzelheit seiner Lebensgeschichte aufgehellt und richtig gestellt. Auch eine weitere 0 Diese Vermutung, die zuerst bei Meinsma, S. 51, Anm. 1 sich findet, hat sich mir schon vor mehr als 20 Jahren bei genauer Durchsicht des Verzeichnisses der in Ouderkerk von 1616—30 Beerdigten (siehe Keur van Grafsteenen, 20ff.) aufgedrängt. Erst die von Perles aufgefundene Quelle zur Lebensgeschichte da Costas macht diese Vermutung zu einer gegründeten.