Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 62 (1918)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zur Lebensgeschichte Uriel da Costas
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 204 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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204 Zur Lebensgeschichte Uriel da Costas. 1 estan sugetos«). So erscheint es durchaus glaubwürdig, was wir in dem Responsenwerke des R. Jakob b. Israel ha־Lewi lesen, daß der Vorstand der Amsterdamer Gemeinde aufrichtig bedauert hat, daß Uriel da Costa, weil es keine Inquisition in Holland gab, nicht mit dem Tode, sondern nur mit Ausweisung bestraft werden konnte. Auch Spinoza ist bald nach seiner Exkommunikation auf Antrag Morteiras vom Amsterdamer Magistrat aus der Stadt verwiesen worden. Wie lange ist Uriel da Costa in der Verbannung gewesen? Und hat die Mutter bis an ihr Lebensende treu zu diesem ihrem Sohne gehalten? Diese beiden Fragen können wir nicht mit Bestimmtheit beantworten. In der Lebensbeschreibung da Costas ist von seiner Mutter nur einmal die Rede, wo er berichtet, daß seine Mutter und er mit seinen Brüdern zu Schiffe gingen, um die portugiesische Heimat zu verlassen. Die Tatsache der Aus- Weisung aus Amsterdam aber wird nicht erwähnt. Daraus darf füglich geschlossen werden, daß er nur kurze Zeit von Amsterdam fern bleiben mußte. Denn eine so harte Maßregelung, wie eine Verbannung von längerer Dauer für ihn gewesen wäre, hätte er schwerlich mit Stillschweigen übergangen. Auch Spinoza durfte nach einigen Monaten ungehindert wieder heimkehren. Denn schon eine kurze Verbannung genügte, um die Erregung der Gemüter gegen den Ketzer zu beschwichtigen und für die verletzte öffentliche Rechtgläubigkeit augenfällige Sühne zu schaffen. Es ״ ist auch kaum anzunehmen, daß die Mutter da Costas bis zu ihrem Tode das Schicksal des Bannes und der Verbannung, der Vereinsamung und Verfolgung mit ihm geteilt hat. Denn wäre dieses der Fall gewesen, wie hätte er, der so weichherzig war, daß er bei der Kunde von fremdem Unglück die Tränen nicht zurückhalten konnte1), solche restlose Hingabe der Mutter unerwähnt gelassen, die ihm zuliebe sich für immer von der ganzen übrigen Familie getrennt und alles für ihn geopfert hätte, nur um bei dem von allen geächteten und gemiedenen Sohne x) Siehe Ex. 71.