Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 62 (1918)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zur Lebensgeschichte Uriel da Costas
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 202 (sequence 4)
- Language
- German
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202 Zur Lebensgeschichte Uriel da Costas. »Nicht fehlte es an Freunden und eifrig auf sein Wohl bedachten Männern, die ein über das andere Mal ihn baten und belehrten, er möchte doch umkehren auf den Weg, den viele Schriften der weisen Männer ihm wiesen. Viel wurde gearbeitet, weil man nicht zur äußersten Strenge schreiten mochte, aber es half nichts, und auch so noch wurde mit all der Milde vorgegangen, die der häßliche Fall gestattete, indem man zuließ, daß er im Lande blieb, um zu sehen, ob er in Reue und Verbesserung seiner Irrtümer umkehren würde« (y ynda assi se procedeu com toda a brandura a que o feo caso deu lugar consentindo que ficasse na terra por ver se tornava em contrigam e emenda de seus erros)1). Damit stimmt es völlig überein, daß da Costa, nachdem er zu seinen alten Ketzereien noch die neue, allerschlimmste hinzugefügt hatte, gegen die Unsterblichkeit zu schreiben, auch tatsächlich aus der Stadt verwiesen worden ist. Glaubens- und Gewissensfreiheit war im XVII. Jahrhundert in den Niederlanden zwar grundsätzlich ausgesprochen und anerkannt, aber nur sehr unvollkommen durchgeführt. Spinoza übertreibt, wenn er rühmend hervorhebt2), daß in Holland und besonders in Amsterdam völlige Gewissensfreiheit herrsche. In Amsterdam wurden zwar nicht wie in Spanien religiöse Gesinnungen, wohl aber gegen die Religion verstoßende Bestrebungen und Handlungen vor Gericht gestellt. Obwohl keine Inquisition in den Niederlanden bestand, fehlte es doch nicht an Verurteilungen, erfolgten nicht selten Konfiskationen, Ausweisungen, Geld־, Gefängnis- und Leibesstrafen wegen begangener Ketzereien3). Limborch4) klagt über die Unduldsamkeit seiner Landsleute, die selbst Christen, die in Glaubenssachen auch nur im Geringsten abweichender Meinung sind, mögen sie auch sonst, noch so sehr durch musterhafte Frömmigkeit und größte Unbescholtenheit hervorragen, wie mit einem Anathema verwünschen und immerzu laut fordern, daß 4) Siehe dos Remedios S. 131. 2) Siehe Praefatio zu Tr. theol.-pol. und daselbst c. 20 gegen Ende. 3) Beispiele bei Freudenthal, Spinoza, S. 10 ff. 4) Siehe seinen Brief an Graswinckel bei Meinsma, Beil. II.