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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1918-01-01 · Heft 3 · p. Seite 201

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
62 (1918)
Issue
Heft 3
Article
Zur Lebensgeschichte Uriel da Costas
Date
1918-01-01
Page
Seite 201 (sequence 3)
Language
German
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Zur Lebensgeschichte Uriel da Costas. 201 die Zeit zwischen Mitte März und Mitte April 1640. Wir begreifen die furchtbare Kränkung, die es ihm bereiten mußte, und die ohnmächtige Entrüstung, die ihn darüber erfüllte, daß auch seine Brüder bei dieser Gelegenheit durch ihren frommen Eifer besonders sich hervorgetan haben. »Man bedenke«, so ruft er verzweifelt aus, »das Schreckliche, Ungeheuerliche, daß leibliche Brüder, von demselben Vater und derselben Mutter abstammend, in demselben Hause gemeinsam erzogen, alle Mühe auf dieses Ziel1) gerichtet haben, uneingedenk der Liebe, mit der sie stets von mir geliebt worden waren, denn solches war mir eigen und angeboren, uneingedenk auch der vielen Wohltaten, die sie durch mich zeitlebens empfangen hatten, an deren Stelle ich als Erwiderung nur Schimpf, Schaden, Böses, so viel Grauenhaftes und Ruchloses erfahren habe, daß man sich schämen muß, es zu berichten«2). Uriel war ohne Zweifel der älteste der Brüder, von ihm stammte der Gedanke, die Vorbereitung und Durchführung des Wegzuges der Familie nach Amsterdam; er hatte im Elternhause seine Brüder unterrichtet3). Da die tatsächlichen Angaben in der den Fall da Costa betreffenden Anfrage unbedingt zuverlässig sind, dürfen wir auch als feststehend betrachten, daß Uriel da Costa bald nach seiner am 31. Mai 1624 erfolgten Entlassung aus der Haft Amsterdam hat verlassen müssen4). Daß die Ausweisung da Costas von seiten seiner Glaubensgenossen betrieben worden ist, wird von Semuel da Silva ausdrücklich bezeugt. Dieser berichtet in der Vorrede zu seiner Schrift über die Unsterblichkeit der Seele: 2) Da Costa spricht von den Bemühungen, ihn zugrunde zu richten. 2) Siehe Ex. 82. 3) Siehe Ex. 74: quibus ego antea praeceptor fueram. 4) Irrig ist die Vermutung (Perles a. a. O. S. 206), daß der ausgewiesene da Costa von Amsterdam nach Hamburg gegangen sei. Die Bemerkung (Ex. 77), er habe sich gesagt, daß er ein Ankömmling sei in diesen Gegenden und keine vertrauten Beziehungen zu den Bürgern habe, deren Sprache er nicht einmal verstehe, betrifft das Jahr 1632 oder 1633 und bezieht sich, wie der Zusammenhang ergibt, nicht auf Hamburg, sondern auf Amsterdam.

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