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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1918-01-01 · Heft 3 · p. Seite 182

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
62 (1918)
Issue
Heft 3
Article
Die Schuhsymbolik im jüdischen Ritus
Date
1918-01-01
Page
Seite 182 (sequence 5)
Language
German
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182 Die Schuhsymbolik im jüdischen Ritus. mit denn Symbol der Macht und Herrschaft, dem Schuh, auftreten 1). Heute noch legen clie Muhammedaner Schuhe und Sandalen ab, so oft sie eine Moschee betreten. Umsomehr mußten die Priester der verschiedensten Religionen, auch der israelitischen, ihren Dienst barfuß verrichten, {a, bei den Annamiten würde es schon als ein grober Verstoß gegen die gute Sitte gelten, wenn man mit den Sandalen an den Füßen vor einem Vornehmeren erscheinen oder ein Haus betreten würde2). Ein etwas ferner liegendes Symbol muß auch in diesem Zusammenhang genannt werden: der Bundschuh der Bauernkriege. Der Bauer, der sich gegen die Adelsherrschaft empörte und statt der Fahne seinen Heeren den Schuh, und zwar seinen Bauernschuh, auf einer Stange vorantrug, drückte durch diese Bilderspräche aus: Nun will ich Herr sein. So kommen wir der Bedeutung der Chalizah näher. Wenn der Schuh das Symbol der Macht ist, die als notwendiges Korrelat die Demütigung des Andern mit sich zieht, so ist es begreiflich, daß die Handlung, durch die die Schwägerin den Levir der Macht entkleidet, für ihn, der über sie hätte verfügen können, zur Demütigung wird. Immerhin ist der Spott, der dem Akt anhaftet, noch nicht hinlänglich erklärt. Zum vollen Verständnis müssen wir noch eine andere Seite des Schuhsymbols heranziehen. Fuß und Schuh haben in Brauch und Sitte der Völker auch erotische Bedeutung, und zwar ist der Fuß Symbol des männliehen, der Schuh Symbol des weiblichen Geschlechtsorgans. Von der erotischen Bedeutung des Fußes im Hebräischen zeugen die Euphemismen רגליו Ex. 4,25, מבין רגליה Dt. 28,57, שער הרגלים Jes. 7, 20. Im Slowenischen heißt das membrum tretja noga, der ן) Gründe levitischer Reinheit, die Robertson Smith, Rel. d. Sem.2 S. 118 (deutsche Ausg.) und Ehrlich, Randglossen zu Ex. 3, 5 annehmen, dürften wohl weniger in Betracht kommen. Gegen Weinhold und Dümmler, die das Ausziehen der Schuhe als rituelle Nacktheit ansehen, wendet Grüneisen, Ahnenkultus S, 67, Anm. 3 wohl mit Recht ein, dies treffe jedenfalls nur für einige Fälle zu. 2) Globus 58, S. 264, vgl. auch Rosenmüller, Morgenland 1, 261.

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