Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 62 (1918)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Schuhsymbolik im jüdischen Ritus
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 181 (sequence 4)
- Language
- German
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Die Schuhsymbolik im jüdischen Ritus. 181 geringeren ihre Schuhe, welche diese als Zeichen ihrer Unterwerfung anziehen mußten. Darum mußten Sklaven ihrem Herrn die Schuhe an- und ausziehen (b. Bab. bathr. 53 b). Gefangene wurden durch Ausziehen der Schuhe und Barfußgehen gedemütigt (]es. 20,2.4. 2. Chr. 28,15). So ist auch Ps. 60,10:על אדום אשליך נעלי »Auf Edom werf ich meinen Schuh« zu erklären. Das Bild drückt mehr aus als bloße Besitzergreifung, das Moment der Unterwerfung und Demütigung tritt hinzu, wie ja auch das vorhergehende »Moab ist mein Waschbecken« Ausdruck tiefster Erniedrigung ist. DasTarg. gibt den Sinn des Bildes richtig wieder: Den Vornehmen Edoms werde ich den Fuß auf den Nacken setzen. Wieder beobachten wir hier dieselbe Eigenart wie beim Targ. zu Ruth 4, 7; das Targ. ersetzt den biblischen Brauch durch die zu seiner Zeit übliche Sitte oder Redeweise. Den Fuß auf den Nacken setzen (pedem imponere super cervicem) war römische Siegerart und Redeweise. Es ist nun leicht erklärlich, daß der Angeklagte, der vor Gericht erschien, oder der mit dem Bann Bestrafte die Schuhe ablegen mußte1). Sie wurden eben jeder Macht entkleidet. So wurden auch in Deutschland vogelfreie Verbannte entschuht. Bei Grimm, Deutsche Sagen 0, No. 384 weissagt ein Einsiedler von Theoderichs Tode: . . »gestern am Tage um die neunte Stunde sah ich, daß er entgürtet und entschuht mit gebundenen Händen in den Schlund des benachbarten Vulkans gestürzt wurde«. Grimm vergleicht dazu Lex Salica iit. 612). Freiwillige Selbstdemütigung ist das Ausziehen der Schuhe in Trauerzeiten und am Versöhnungstage. So ist auch das Ausziehen der Schuhe an heiligen Stätten zu verstehen. »Ziehe die Schuhe von deinen Füßen, denn die Stätte, auf der du stehst, ist heiliger Boden«, ruft die göttliche Erscheinung Mose am Dornbusch zu (Ex. 3, 5, ebenso Jos. 5, 15). Wo Gott gebietet, darf der Mensch nicht ף S. Krauß, Talmud. Archaeologie I, S. 183. 2) Sartori, Der Schuh im Volksglauben, in Zeitschr, d. Vereins f. Volkskunde, 4. Jg., S. 179.