Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 62 (1918)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Schuhsymbolik im jüdischen Ritus
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 183 (sequence 6)
- Language
- German
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Die Schuhsymbolik im jüdischen Ritus. 183 dritte Fuß1). Daher auch die heute nur noch auf Hühner angewandte erotische Bedeutung von »treten«. Tn vielen Lokalsagen lassen die Fußtritte von Rossen und Eseln, priapischen Tieren, fruchtbarmachende Quellen aus der Erde hervorsprudeln. Von der erotisch-symbolischen Bedeutung des Schuhs erzählen auch manche sprichwörtliche Redewendungen und Gebärden. So gibt die Türkin, die ihren Mann auf Scheidung klagt, vom Kadi nach dem Grunde gefragt, Antwort, indem sie ihm den Pantoffel verkehrt hinhält2). Der Beduine, der sich von seinem Weibe scheiden läßt, sagt: »Ich habe meinen Pantoffel weggeworfen«3). Ein Sprichwort, das den Mann vor Ehebruch warnt, lautet: »Man muß nicht die Füße in fremde Schuhe stecken«. »Ein schöner Schuh wird nie ein häßlicher Pantoffel«, spricht von der schönen Frau, der auch im Alter noch eine gewisse Anm,ut bleibt. »Schöne Schuhe drücken oft am meisten«, schöne Frauen verursachen oft die größten Sorgen4). Der Brautschuh ist Symbol der Jungfräulichkeit. Das Ausziehen der Brautschuhe, ein besonders in der Rheingegend verbreiteter Hochzeitsbrauch, hat dieselbe Bedeutung wie das Lösen des Brautgürtels und das Durchreißen des Brautkranzes. Auch in die Chalizah dürfte wohl dies erotische Motiv hineinspielen. Der Mann hat auf die Schwägerin verzichtet, darum entzieht sie sich ihm symbolisch durch Ausziehen des Schuhs. Sie löst das potentielle Eheverhältnis, Er hat kein Recht mehr auf sie, sie kann einen Anderen heiraten. Im Gegensatz zum Beduinen, der sich stolz rühmt: »Ich habe meinen Pantoffel weggeworfen«, kann sie sagen: »ich habe ihm den Pantoffel ausgezogen.« Darin liegt wohl der Spott, der an seinem Namen haften bleibt.5) 1) Aigremont, a. a. O. S. 46. 2) Zuerst berichtet von dem Diplomaten Augier Ghisiain de Busbecq in Legationis Turcicae Epistola III, S. 184, Amsterdam 1660. 3) Burckhardt, Notes on the Bedouines and Wahabys I, S. 113. 4) Aigremont, a. a. O. S. 52, vgl. auch Kleinpaul, Sprache ohne Worte, S. 308. 5) Herr Kollege Dr. j. Eisenberg in Döbrisch bei Prag hatte die Liebenswürdigkeit, mich darauf aufmerksam zu machen, daß נעל Schuh