Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 62 (1918)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Moritz Güdemanns Anteil an der Wissenschaft des Judentums
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 174 (sequence 14)
- Language
- German
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174 M. Güdemanns Anteil an der Wissenschaft des Judentums. welches das Bildungsideal des Judentums in den verschiedenen .Zeitepochen gewesen ist, wie es mächtig beeinflußt wurde und wie die oft übermäßige Beeinflussung durch »fremde Bücher« zu Reaktionen führten. Wir sehen in seinen lichtvollen Schilderungen .die spanisch-arabische Hochkultur, in der die jüdischen Erzieher und Lehrer ganz im Banne der Araber oder der durch sie vermittelten griechischen Philosophie des Aristoteles standen; in der hebräische Grammatik, metrische Poesie in Angriff genommen, Arzneikunde, Mathematik und Astronomie betrieben wurden. Das .Streben nach Systematik (Maimuni) wird wach. Erziehung und Unterricht werden wissenschaftliches Problem. »Mussar« (Ethik) wird in systematischen Büchern gelehrt. Die selbständigen Leistungen der spanisch ־ arabischen Juden: Maimonides, Ibn Gabirol, Avendehut (Ibn Daud), Gersonides beeinflussen Thomas v. Aquino^ Wilhelm v. Auvergne, Duns Scotus, Albertus Magnus. Diese Riclrtung dringt aus Spanien bis in die Provence und nach Italien. Im zweiten Bande »Geschichte des Erziehungswesens und der Kultur der Juden in Frankreich und Deutschland« (Wien 1880), der den ersten an Anlage und Darstellung weitaus übertrifft, wird diese Beeinflussung geschildert und dann der gewaltige Unterschied zwischen Nord- und Südfrankreich gezeichnet. Nordfrankreich ist im Mittelalter kein gebildetes Land. Auch die Juden stehen also nicht unter Einwirkung fremder Kulturen. Sie erzeugen aber aus sich selbst die großen Schulen der Kommentatoren (Raschi) und Tossafisten. Noch tiefer ist der Bildungsstand des mittelalterlichen Deutschland; aber auch hier erheben sich die Juden aus eigener Kraft zu ansehnlicher Höhe. Manche kostbare Urkunde publiziert G. in diesem Teile seines Werks. Z. B. die חוקי החור aus dem dreizehnten Jahrhundert. Besonders eingehend ist das »Buch der Frommen« behandelt, dieses viel gelesene Süttenbuch, das ohne die deutsche Mystik nicht entstanden wäre; so wenig als etwa Taulers Predigten ohne den jüdischen Einschlag möglich waren. Der dritte Band schildert die »Ge-;schichte des Erziehungswesens und der Kultur der