Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 62 (1918)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Moritz Güdemanns Anteil an der Wissenschaft des Judentums
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 173 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2829132-2829887-2829891-2894555--43226-2894615- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
M. Güdemanns Anteil an der Wissenschaft des Judentums. 173 falls des Unterrichts. Beigegeben ist diesem Teile auch eine Edition des arabischen Textes des 27. Kapitels aus dem Tab-el- Nufus des Josef Ibn Aknin aus Barcelona, der im Texte auch in deutscher Übersetzung wiedergegeben ist; ebenso ein Teil des Testaments des R. Jehuda Ibn Tibbon, das fünfzehnte Kapitel aus dem Jair Netib des Jehuda b. Samuel b. Abbas; ein Auszug aus den Ermahnungsschreiben des Salomon Alami, des Josef Ibn Kaspi, so daß ein sehr beträchtlicher Teil des Buches aus Quellenschriften besteht. Ich will gleich hier bemerken, daß Güdemann uns im ganzen Werke zeigt, wie das ganze Unterrichts- und Erziehungswesen sowie die Kultur der Juden in Spanien, Frankreich, Italien und Deutschland allenthalben die Signatur des Landes und der Zeit an sich tragen. Wie keine größere Bewegung oder Umwälzung spurlos an ihnen vorüberging und die Art der Geistesschöpfungen Produkte der Synthese sind aus jüdischem, traditionellen Geiste, der aus Bibel und Talmud und Schrifttum schöpft, und den Geisteserzeugnissen der Völker und Länder, in welchen die Juden jeweils leben. Diesen Spuren geht Güdemann überall nach und holt die Analogien für literarische Erzeugnisse, Geistesprodukte aller Art, für Lebensführung, Lebensäußerungen bis zu kleinsten Gebräuchen, Sitten und Gewohnheiten aus allen Ecken und Enden herbei. Er weist aber auch nach, daß die Juden überall da, wo der geistige Horizont weit war, nicht hinter den Nichtjuden zurückgeblieben sind, sondern ganz besonders bei geistigem Tiefstände der Zeit in der Regel, dank der Pflege der heiligen Lehre, die niemals aufhörte, weit über die Mittellinie hinausragten; daß sie insbesondere niemals in Unmoral verfielen, an den Lastern und Entartungen verschiedener Epochen verhältnismäßig geringen Anteil haben; in keinem Falle aber mit großen sittlichen Gebrechen allein stehen. Die Segnungen der Bildung und Kultur empfingen sie mit Freude und Sehnsucht, verbreiteten sie nach ihrer Art und huldigten dem Geist der Zeit mit Maß in steter Rücksicht auf den eigenen Geist, der aus überlieferter Lehre und Lebensform überkommen war. Dies alles zeigt uns Güdemann in seinem Werke mit meisterhafter Plastik. Er zeigt uns,