Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 62 (1918)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Moritz Güdemanns Anteil an der Wissenschaft des Judentums
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 172 (sequence 12)
- Language
- German
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172 M. Gtidemanns Anteil an der Wissenschaft des Judentums. Buch, und er hielt es auch für sein bestes. Die kritische Wissenschaft teilte diese Ansicht nicht ganz mit ihm, ist aber Güdemann dafür dankbar, daß er den ersten Beitrag zum »Grundriß« in so vollendeter Form geliefert hat. Das eigentliche Arbeitsgebiet Güdemanns war die Geschichte des Unterrichts- und Erziehungswesens und der Kultur bei den Juden. Hier ist er Autorität ersten Ranges und Bahnbrecher geworden und bis heute geblieben. Seine Werke auf diesem Gebiete haben seinen Ruf als Historiker begründet und ihn zum Ergänzer seines großen Meisters und Lehrers Graetz gemacht. Wir haben gesehen, daß Güdemann als Wurzel der jüdischen Kraft die Lehre betrachtet, und dieser seiner Überzeugung ist es zu danken, daß er der Geschichte der Pflege der Lehre und der Wissenschaft sein großes Können durch Jahrzehnte gewidmet hat. Hier zeigt er sich als vollwüchsiger Historiker. Gründlichste Quellenkunde und Quellenforschung, klarer systematischer Aufbau, straffe Zusammenfassung, leichte Übersichtlichkeit, vornehme Diktion sind die charakteristischen Merkmale dieser großen Werke, die aus fünf Büchern bestehen. Man darf sagen: leider nur aus fünf Büchern. Denn diese Geschichte reicht nur bis zum sechzehnten Jahrhundert. Die »Quellenschriften zur Geschichte des Unterrichts und der Erziehung bei den deutschen Juden« umfassen allerdings die ältesten Zeiten und reichen bis auf Mendelssohn. Der erste Teil: »Das jüdische Unterrichtswesen während der spanisch-arabischen Periode« ist 1873 in Wien erschienen. Er ist Zacharias Frankel, dem hochgeschätzten Lehrer Güdemanns, gewidmet. Diesem Teile merkt man es deutlich an, daß er der erste ist. Es fehlt ihm die klassische Form der anderen, namentlich desjenigen, der sich mit den Juden in Italien beschäftigt. — Er umfaßt in fünf Kapiteln: die Entehung, die Blütezeit der jüdisch-arabischen Kultur in Spanien, das Zeitalter Maimunis, — welchem Heros er in späteren Jahren auch eine feinsinnige Betrachtung in populärwissenschaftlicher Fassung gewidmet hat; — die politischen Umwälzungen, die Zeit der Mystik und der religiösen Streitigkeiten, der Ächtung der Wissenschaft und des Ver-