Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 62 (1918)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Moritz Güdemanns Anteil an der Wissenschaft des Judentums
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 171 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2829132-2829887-2829891-2894555--43224-2894613- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
M. Güdemanns Anteil an der Wissenschaft des Judentums. 171 schrieben; und es ist sein Verdienst, jedem, der es will, die Verteidigungsmittel in die Hand gegeben zu haben im so häufigen Kampfe gegenüber leichtfertigen Urteilen über die jüdische Religion, welche sowohl von gelehrten als auch von ungelehrten Christen und — leider auch allzuoft — Juden gefällt werden. Diese Apologetik ist ein durchaus modernes, aktuelles Buch, das mit den jüngsten Erscheinungen des öffentlichen Zusammenlebens von Juden und Christen rechnet Nicht nur in die gelehrten Bücher der Theologen werden die schiefen, entstellenden, gehässigen Darstellungen des Judentums hineingetragen, sondern auch in die Spalien der Tagesblätter, woselbst unter der Decke von Scheinwissenschaft und Berufung auf die großen christlichen Forscher täglich Indianerpfeile gegen Juden und Judentum geschleudert werden. Da ist G.s Apologetik, abgesehen von ihrem hohen, wissenschaftlichen Werte, eine Rüstkammer auch für Laien. In gebildeten jüdischen Kreisen sind die Ansichten, welche Wellhausen über das Judentum in seinen Werken ausgesprochen hat, sehr verbreitet. Ich habe mich oft davon überzeugt, daß man dort Wellhausen besser kennt als die Bibel. Es wird kein Vernünftiger mich verdächtigen, als wollte ich die Bedeutung" dieses Forschers irgendwie verkleinern. Aber das darf nicht hindern, sein bewußtes Unrecht, das er der jüdischen Religion angetan hat, festzustellen. Ganz zu schweigen von der tendenziösen, unwissenschaftlichen, völlig unkritischen Art der Behandlung des Urchristentums und der Persönlichkeit Jesu. Güdemann geht an keinem der christlichen Forscher vorüber; er bekämpft mit Recht und mit Glück Wellhausen, Stade, Kuenen, Bertholet, Graf, Pfleiderer, Eduard Meyer und viele andere. Mit Glück hat er diejenigen Hauptstücke bearbeitet, welche den Kern der Religion ausmachen, und die von den christlichen Forschern als die wesentlichen Unterschiede zwischen dem himmlisch-vollendeten Christentum und dem irdischverkümmerten Judentum dargestellt worden sind. Die Apologetik hat Güdemann mit seinem Herzblut geschrieben und sie war ihm ans Herz gewachsen; sie war — ich weiß es — sein liebstes