Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 62 (1918)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Moritz Güdemanns Anteil an der Wissenschaft des Judentums
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 169 (sequence 9)
- Language
- German
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M. Güdemanns Anteil an der Wissenschaft des Judentums. 169 daß sein Werk fleißiger gelesen und weniger erhoben worden wäre. Auch in diesem Buche erwies sich sein Sinn für das Praktische, Gegenwärtige, Aktuelle, Erfolgreiche. Er setzt sich in ihm mit fast allen neuen Darstellern der jüdischen Geschichte und Religion auseinander und geht auch der Polemik gegen große, maßgebende Philosophen nicht aus dem Wege, wie zum Beispiele gegen Wundt und Paulsen, die er gelegentlich ebenso treffend als scharf abkanzelt. Aufbau und Ausführung dieser Apologetik sind meisterhaft. Sie ist wundervoll geschrieben; stilistisch wohl das Vollendeteste und Reifste, was Güdemanns Feder entfloß. Er hatte auch hier die beste Gelegenheit, seine Gedanken in breitem Bette und frischer Strömung hinfließen zu lassen. Man merkt es: hier schöpft ein Meister aus dem Vollen, meißelt ein Künstler mit sicherer Hand am Marmelstein. Das Buch behandelt in sieben Kapiteln: die jüdische Religion als* göttliche Offenbarung und als Produkt des jüdischen Volksgeistes; die jüdische Religion als Tradition; die jüdische Religion in nationaler und universalistischer Hinsicht; die jüdische Religion hinsichtlich ihrer Lehre über das Verhältnis zwischen Gott und dem Menschen; die jüdische Religion in erzieherischer Hinsicht. Das Gesetz; die jüdische Religion und ihr Ausdruck in Gesinnung und Handlung; die jüdische Religion und die Zukunft der Menschheit oder der Messianismus. Auf durchaus wissenschaftlicher Grundlage, gestützt durch sichere, verläßliche Quellen und Beispiele aus Geschichte und Leben wird die jüdische Religion gegen Angriffe und Entstellungen verteidigt. Zunächst wird das Wesen der schriftlichen Lehre und dann das der mündlichen Überlieferung auseinandergesetzt. Hieran schließen sich die Untersuchungen über diejenigen Momente, in denen die christliche Theologie Mängel des Judentums erblickt, die erst das Christentum überwunden habe. Das Judentum wird dann in der Richtung untersucht, wie es sich einerseits zum Nationalismus und andererseits zum Universalismus verhält. Besonderes Gewicht wird auch hier wieder auf die Abhandlung über das »Gesetz« und die Untersuchung verwendet, wie sich die jüdische Religion