Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 62 (1918)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Moritz Güdemanns Anteil an der Wissenschaft des Judentums
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 168 (sequence 8)
- Language
- German
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168 M. Güdemanns Anteil an der Wissenschaft des Judentums. Zeiten. »Bewahren und Thun« sind die unbedingten Komplemente dieser Forderung. Dies in überzeugender, packender, hie und da hinreißender Form darzustellen, war Qüdemann Herzensbedürfnis. Und darin zeigt sich sein ehrlicher, treuer, konservativer Sinn, der bestrebt war, dem religiösen Brauch in der überlieferten Form immer neues Leben zu geben, wesenhafte Bedeutung beizumessen als dem durchaus haltbaren Spalier, an dem sich das jüdische Dasein des Individuums wie des Volkes emporrankt Das zeigt sich auch in dem Kapitel über »Diesseits und Jenseits«, in welchem dargetan wird, daß der Wirklichkeitssinn der jüdischen Religion, wie er sich schon in der Thorah ausprägt und in der späteren Entwicklung der Tradition und des Lebens sich fortsetzt, ihr ungebrochene Kraft und Ausdauer verliehen und zu sittlicher Höhe emporgetragen hat; sich stärker erwies als dogmatische Abstraktionen und spekulative Theologie. Vielleicht geht G. darin sogar zu weit. Er zeigt ab und zu eine gewisse Abneigung gegen reine Theologie und Philosophie und neigt mehr der praktischen Seite der Lehre zu. Die Summe seines apologetischen Denkens hat Güdemann in seinem Werke »Jüdische Apologetik« niedergelegt (Glogau 1906), das von der »Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums« in der Reihe »Grundriß der Gesamtwissenschaft des Judentums« als erstes herausgegeben worden ist Man war in wissenschaftlichen Kreisen zunächst nicht befriedigt, als das Werk erschien. Man erwartete eine Behandlung der Apologetik als Wissenschaft und hatte eine Apologie vor sich. Ich hörte eine ähnliche Äußerung selber von dem seligen Eschelbacher, der sich bekanntlich mit diesem Gebiete beschäftigte und manches Schöne geschrieben und veröffentlicht hat Man darf aber mit dem Resultate zufrieden sein. Denn Güdemann hat uns ein Buch von bleibendem Werte gegeben, das die Eignung hat, in den geistigen, bleibenden Besitzstand eines jeden gebildeten Juden aufgenommen zu werden. Ich wage die Behauptung nicht, daß dies geschehen wäre, und bezweifle auch deren Richtigkeit. Güdemann selbst hätte ebenfalls gewünscht,