Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 62 (1918)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Moritz Güdemanns Anteil an der Wissenschaft des Judentums
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 167 (sequence 7)
- Language
- German
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M. Güdemarms Anteil an der Wissenschaft des Judentums. 167 unsere Zeit darin zurück im Vergleiche zu früheren Jahrhunderten* wo die hebräisch geschriebenen Sittenbücher in der Hand eines jeden besseren Juden und auch, soweit jüdisch-deutsche Postillen zur Hand waren, auch jüdischer Frauen waren. Unbewußt haben jene Darstellungen vom »Wesen des Christentums« sicherlich auch Güdemann veranlaßt, diese populäre Schrift zu verfassen, welche sich durch Klarheit, Einfachheit, Wärme und Geistigkeit auszeichnet. Der feine Stil, die klassische Ausdrucksweise und Originalität der Auffassung machen die Lektüre dieses Buches zu einer wahren Herzensfreude. Wenn auch G. selbst sagt: »Diese Schrift ist keine Streitschrift«. »Ich habe einfach das Bedürfnis gefühlt, auszusprechen, was das Judentum ist, und dieses Bedürfnis ist um so erklärlicher, je häufiger das Judentum als etwas hingestellt wird, was es nicht ist«, so zähle ich sie doch zu seinen apologetischen Arbeiten, weil sie die reife Frucht am Baume seiner jüdischen Erkenntnis ist und die Säfte zeigt, welche die Wurzeln dieses kraftvollen Baumes eingesogen haben, die Wurzeln zutage fördert, den Baum vor unseren Augen wachsen, die Blüten und Früchte erstehen läßt, welche er getrieben und gezeitigt hat. In sechs Kapiteln werden behandelt: Die Familie; der Gottesglaube; der Mensch, das Ebenbild Gottes; das Diesseits und das Jenseits; die Lehre und das Leben; die Hoffnung für die Zukunft. Die stärkste Seite ist — und das gilt fast für alle Schriften Güdemanns auf diesem Gebiete — die Darstellung des jüdischen Lebens im Verhältnis zur Lehre und im Verhalten ihr gegenüber. Das ist erklärlich. G. sieht in der »Lehre«, nicht im »Gesetz«, wie mißbräuchlich stets vonseiten christlicher Forscher gesagt wird, das Um und Auf des Judentums, seines Lebens und seiner Seele Der unübertreffliche Darsteller der »Geschichte des Erziehungswesens und der Kultur der Juden« — von der später die Rede sein wird — zeigt sich klar in dieser Auffassung der Lehre ünd steht damit vollkommen auf dem Boden der Überlieferung und der geschichtlich erwiesenen Tatsachen. Denn »Lehren und Lernen« war eine der Hauptforderungen im Judentum seit urdenkiichen