Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 62 (1918)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Moritz Güdemanns Anteil an der Wissenschaft des Judentums
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 166 (sequence 6)
- Language
- German
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% 166 M. Giidemanns Anteil an der Wissenschaft des Judentums. Judentum und dessen Religion unbedingt als minderwertig erscheinen lassen zu müssen. Kein Wunder; denn diese Tendenz: herrscht ja schon in den Evangelien vor und in deren Geist und Dienst müssen die christlichen Forscher und Gelehrten ihre Anschauung entwickeln, begründen und erhärten. Die Ausnahmen von dieser Regel läßt auch Güdemann gelten und spart nicht mit wärmster Anerkennung, wie er denn allenthalben der Wahrheit unbedingt die geziemende Ehre erweist. Die oben angeführte typische Wahrnehmung überträgt G. auf den ganzen sogenannten Gesetzeskomplex des so vielfach verkannten pharisäisch-rabbinischen Judentums. Man braucht nur das Kapitel über den »Sabbat« bei Schürer nachzulesen, um die ganze Wahrheit zu erkennen. Wenn der Sabbat das je gewesen wäre, was Schürer aus ihm macht, dann hätte man dessen Weihe mit Fug und Recht als lächerlich und lästig bezeichnen können. Das »Gesetz«, an sich schon ein harter Begriff, der das Herz kalt läßt und das Gefühl nicht berührt, ist ja der ewige Vorhalt, der dem rabbinischen Judentum gemacht wird gegenüber dem profetischen, das gegen jenes ausgespielt wird und schon gar gegenüber dem Christentum* welches die endgiltige Erhöhung aller religiösen und ethischen Begriffe bedeutet. in dieses Gebiet der Arbeiten Güdemanns gehört auch seine Schrift »Das Judentum in seinen Grundzügen und nach seinen geschichtlichen Grundlagen dargestellt« (Wien 1902). Die zahlreichen Schriften über das Wesen des Christentums haben in jüdischen Kreisen offenbar das Bedürfnis erzeugt, diesen sehr verbreiteten und äußerst beliebten Darstellungen, welche mit propagandistischem Eifer auftraten und fleißig gelesen worden sind, ein Gleiches für Juden und Judentum zu schaffen.. Man kann nicht sagen, daß die Arbeiten der jüdischen Forscher mit gleicher Liebe gelesen oder verbreitet worden wären. Und. doch verdienten sie es. Güdemann selbst beklagte sich mir gegenüber mit Recht darüber, wie wenig Verbreitung seine Schrift selbst in Wien gefunden hätte, und wie wenig sie gelesen worden sei. Ich habe mich selbst davon überzeugt. Wie weit steht doch