Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 62 (1918)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Moritz Güdemanns Anteil an der Wissenschaft des Judentums
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 165 (sequence 5)
- Language
- German
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Mo Güdemanns Anteil an der Wissenschaft des Judentums. 165 Theologie auf Grund des Talmud und verwandter Schriften«, »System der altsynag. paläst. Theologie«, bei Harn^ack (Wesen des Christentums), Schiatter, Holtzmann, Hausrath, Schürer, um nur einige zu nennen, aufzuzeigen. Die vielgepriesene voraussetzungslose Erforschung und wissenschaftliche Ermittlung schaltet nämlich aus ihren Pflichten auch die Voraussetzung aus, daß man mit dem einschlägigen hebräischen Material genügend vertraut sein müsse, um die Geschichte des Judentums richtig darstelien und beurteilen zu können. Güdemann, als gründlicher Kenner des Neuen Testaments und der einschlägigen kritischhistorischen Literatur alter und neuer Zeit, aber auch als souveräner Beherrscher des nötigen talmudischen Wissensgebietes rückt den nichtjüdischen Forschern scharf an den Leib, ohne jemals die Grenzen der Würde und des wissenschaftlichen Takts zu überschreiten. Er ist, ohne es eigentlich zu wollen, ein glänzender Apologet geworden. Güdemann in seiner Schrift »Das vorchristliche Judentum« usw. (S. 1) sagt: »Als ich vor mehr als vierzig Jahren den seligen Movers in Breslau darüber vortragen hörte, wie die jüdischen Schriftgelehrten die Tephillin anlegten, fragte ich mich im Stillen: Warum hat der gute Mann sich das nicht von dem ersten besten Juden einmal vormachen Sassen? Er hatte es offenbar nie mit eigenen Augen gesehen. So wenig entsprach seine Darstellung dieser rituellen Verrichtung. Eine ähnliche Frage drängt sich dem mit seiner Religion und den Grundschriften derselben einigermaßen vertrauten Juden angesichts der von christlichen Gelehrten gegebenen Darstellungen des Judentums im neutestamentlichen Zeitalter auf«. Dieser Empfindung gibt G. in allen seinen apologetischen Schriften beredten Ausdruck und beweist deren Richtigkeit wissenschaftlich durch Aufdeckung der Blößen in jenen Darstellungen, indem er die oft genug geradezu schülerhaften Fehler namhafter Forscher hervorhebt, die sie bei Auslegung und selbst bei einfacher Übersetzung rabbinischer Texte begehen. Er zeigt aber auch, wie alle Mühe und Überzeugungskunst umsonst sind. Die »voraussetzungslose Wissenschaft« macht Halt bei der Tendenz, das