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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1918-01-01 · Heft 3 · p. Seite 164

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
62 (1918)
Issue
Heft 3
Article
Moritz Güdemanns Anteil an der Wissenschaft des Judentums
Date
1918-01-01
Page
Seite 164 (sequence 4)
Language
German
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164 M. Güdemanns Anteil an der Wissenschaft des Judentums. tionelle Literatur der Juden zu deren Ungunsten zu gebrauchen oder sie zu entstellen, was mit seltenen Ausnahmen fast in allen Jahrhunderten seit der Entstehung des Christentums geschah, so steigerte und vertiefte sich diese Methode umsomehr, je wissenschaftlicher die Vertreter der Bibelkunde und Bibelexegese und die Darsteller jüdischer oder israelitischer Geschichte und Theologie auftraten. Die Unkenntnis oder sehr lückenhafte Vertrautheit mit dem talmudischen und nachtalmudischen hebräischen Schrifttum richtete in diesen Kreisen der Gelehrtengilde wahrhafte Verheerungen an, sodaß selbst die Matadore von den Gebresten nicht verschont blieben. Das hat aber weniger deren wissenschaftlichem Rufe als vielmehr dem lebendigen Judentume geschadet. Das Judentum und seine historische, antike Vergangenheit wurde und wird von diesen christlichen Gelehrten nämlich wie eine Mumie behandelt, aus deren Wickeln man nur die Inschriften zu entziffern braucht. Von den Propheten bis zum Christentume führt für sie kein Weg, kein Steg und keine Brücke. Der Talmud ist beinahe für alle eine terra incognita. Bei den Pharisäern ist nichts zu suchen, noch zu holen. Auf diese Weise entstanden nicht nur schiefe Urteile, sondern Karrikaturen von Zeitbildern, welche dann auf das Judentum und die Juden, deren Lebensweise, Lebensauffassung und Lebensführung übertragen worden sind. Daraus folgte dann die traurige sittliche Bewertung und Einschätzung jüdischer Ethik auch für die Halbgebildeten und Unwissenden, deren Antisemitismus nun scheinbar rein wissenschaftlich fundiert war. Güdemann hat in den erwähnten Schriften dagegen Stellung genommen und in seiner, später zu behandelnden »Apologetik« die Summe seines Fehdezuges gezogen. Die modernen, wahrhaft bedeutenden Forscher auf dem Gebiete der Bibel Wissenschaft unterwirft er seiner Kritik. Boussets Werk »Die Religion des Judentums im neutestamentlichen Zeitalter« (Berlin 1903) gibt ihm Anlaß, die Quellenunkenntnis dieses so hervorragenden Forschers zu beweisen und bei dieser Gelegenheit die gleichen Fehler, nur in noch erhöhtem Maße, bei Weber in dessen Werk »Jüdische

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