Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 62 (1918)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Moritz Güdemanns Anteil an der Wissenschaft des Judentums
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 163 (sequence 3)
- Language
- German
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M. Güdemanns Anteil an der Wissenschaft des Judentums. 168 seine Beziehungen zu Simson und David sind heute noch wertvoll und enthalten Hinweise auf religionsgeschichtliche Synkretismen, deren Entwirrung bekanntlich in unseren Tagen die ernstesten Forscher beschäftigte. Güdemann bearbeitet hier ein Gebiet, das eigentlich erst Jahrzehnte später erschlossen worden ist und zur Stunde eines der wichtigsten und ergebnisreichsten für die Erkenntnis der Urquellen der Religionen der großen Kulturvölker geworden ist, weil es zu den Anfängen religiösen Denkens zurückführt. In diesen Kreis gehören auch die Abhandlungen: »Die superstitöse Bedeutung des Eigennamens im vormosaischen Israel« und »Über die in Vergessenheit geratene Aussprache des vierb uchstabigen Gottesnamens«. Die Schrift enthält auch Beiträge zur Entstehungs- und frühesten Entwicklungsgeschichte des Christentums auf Grundlage jüdischer Quellen in den vortrefflichen Aufsätzen: »Die Logia des Matthäus als Gegenstand einer talmudischen Sätyre«, »Zur Erklärung des Barnabasbriefes« und »R. Josua ben Chananja und das Christentum«. Hier haben wir die Ansätze zu Güdemanns späteren Schriften über das Neue Testament, weiche durchwegs die Tendenz verfolgen, den Nachweis zu erbringen, daß im N. T. jüdisches Kulturgut verwendet wird, und daß das Beste und Schönste an ihm ohne die jüdisch-talmudische Tradition weder denkbar noch verständlich wäre. Dieser durchaus objektiv gewahrte Standpunkt kommt in Güdemanns scharfer Polemik gegen moderne Versuche christlicher Forscher ersten^Ranges häufig zur Anwendung und findet sich in seinen durch Glanz der Federführung, wissenschaftliche Akribie und feine Ironie gekennzeichneten Schriften: »Das vorchristliche Judentum in christlicher Darstellung (Breslau 1903), »Stellung der jüdischen Literatur in der christlich-theologischen Wissenschaft während und am Ende des 19. Jahrhunderts« (Gedenkbuch zur Erinnerung an David Kaufmann, Breslau 1900 S. 654); »Neutestamentliche Studien Monatsschrift, jhrg. 37, Sonder-Abdruck), »Nächstenliebe« (Wien 1890), »Eine spaßhafte Prozeßgeschichte mit ernstem Hintergründe« (Monatsschrift, Jhrgg. 59, Heft 3.4, Sonderabdruck). War es seit jeher Art oder vielmehr Unart christlicher Theologen, die tradi- 11*