Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 62 (1918)
- Issue
- Heft 2
- Article
- H. Graetz als Darsteller der Systeme der jüdischen Religionsphilosophen
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 145 (sequence 21)
- Language
- German
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145 der jüdischen Religionsphilosophen. R. Akiba (אף הקורא בספרים החיצונים וכר) und des Abba Saul (אף ההוגה את השם באותיותיו) deutlich erhellt. — Ganz konsequent ist es übrigens, wenn Albo keines der Gebote, also auch nicht einmal das der Nächstenliebe, als »Wurzel« oder »Stamm« (שורש; עיקר) anerkennen mag und ferner betont, daß die Strafe für die Übertretung eines Gebotes nicht gleich sei an Schwere der Leugnung eines der als Wurzel und Stamm bezeichneten Glaubenslehren. Das Logisch-Dogmatische, das Glaubensmoment, geht ihm eben selbst über das erhabenste Gesetz, was ganz paulmisch anmutet. Wie sehr aber diese von Albo auf die Spitze getriebene unjüdische logisch - dogmatische Methode ihn auch im Hinblick auf den Lehrgehalt des Judentums auf Abwege führt, zeigt sich schließlich in der Behauptung, daß die Idee der Willensfreiheit — diese conditio sine qua non aller Ethik und Religiosität, — die noch Creskas in seiner Weise als unbedingt nötigen Glaubenspunkt erachtet hat, nicht unbedingter Glaubensartikel sei, ferner besonders auffällig in der bereits erwähnten Behauptung, mit der ihm allerdings schon Creskas vorangegangen ist, daß die Messias lehre, weil weder zu den drei »Wurzeln«, noch zu den aus ihnen sich herleitenden »Stämmen« gehörend, wohl geglaubt werden solle, daß aber, wer sie leugnet, kein Leugner der Grundlehren des Judentums (כופר בעיקר) heiße gleich dem, der die Lehren von Lohn und Strafe leugnet. Also die erhabene, Menschheit umfassende spezifisch jüdische Idee von einem Ziele religiös-sittlicher Vollkommenheit, dem das Menschengeschlecht zuzusteuern hat — ist Albo nicht so grundlegend als die Idee von Lohn und Strafe! Eine Folge davon ist, daß Albo (Ikkar. II 20) zwar die künftige jenseitige Seligkeit auch als den »Frommen der Völker« zugesichert erachtet, aber die künftige messianische Vollendung in der Anbetung des einzigen Gottes nur auf einen erlesenen Teil Israels mit Ausschluß der übrigen Israeliten und aller anderen Völker beschränkt, indem er den'herrlichen Vers in Sacharja 14, 9: »Der Ewige wird König sein über die ganze Erde usw.,« den nicht nur christliche Exegeten, wieHitzig und Marti, sondern auch schon Rasch i ganz universalistisch Monatsschrift, 62. Jahrgang. 10